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Full text of "Atlas der Ophthalmoskopie = Atlas of ophthalmoscopy"

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ATLAS 


oFH rHALMOSKOPIE 


Dh J. OELLER, 

KGL. HOFRATH, 

PRIVATDOZENT AN DER UNIVERSITAT MyNCHE 


DRITTE LIEFERUNG. 


15 TAFELN MIT TEXT. 


ATLAS 


OPHTHALMOSCOPY. 


DE J. OELLER, 


PRIVATDOZENT AT THE UNIVERSITY OF MUNICH. 


THE TEXT TRANSLATED INTO ENGLISH 


A. H. KNAPP, 

NEW-YORK. 


THIRD PART 


15 PLATES WITH TEXT. 


WIESBADEN. 

•VEmjA.(3- "^Oisr J. F. BEE,a-IS^-A.3Sr3Sr. 
1897. 






















ATLAS 

DER 

OPHTHALMOSKOPIE. 


DS. J. OELLER, 

KGL. HOFRATH, 

•PRI VATDOZENT AN DER'UNIVERSITAT MONCHEN. 


DRITTE LIEFERUNG. 


15 TAFELN MIT TEXT. 


ATLAS 

OF 

OPHTHALMOSCOPY. 


BY 


DS^ J. OELLER, 

PRIVATDOZENT AT THE UNIVERSITY OF MUNICH. 


THE TEXT TRANSLATED INTO ENGLISH 

BY 

DR- A. H. KNAPP, 

NEW-YORK. 


■ THIRD PART. 

^ >- 

15 PLATES WITH TEXT. 


WIESBADEN. 


•VER,L.A.C3- "VOlsr J. F. JVEAISTlSr. 

1897. . 









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1 

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I 







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A. 

Normale Formen des Augenhintergrundes. 
Varieties of normal fundus oeuli. 


Tab. IV. 


EXCAVATIO PHYSIOLOGICA. ARTERIA OPTICO-CILIARIS. 




A. Tab, IV. 

Excavatio physiologica. Arteria optico-ciliaris oculi dextri. 


H' J., 31 Jahre alt, Braugehilfe, machte im Herbst 1890 eine 
acute Nephritis durch. Wegen geringgradiger subjektiver Storungen 
in der Reconvalescenz: leichtes vorubergehendes Flimmern, etwas 
rasche Ermlidung bei der Naharbeit, unterzog er sich am 8. XI. 1890 
einer augenarztlichen Untersuchung. 

Beiderseits: E. S. ®/6. 

Beiderseits gleicher Spiegelbefund mit Ausnahme der fur das 
rechte Auge zu schildernden Gefassanomalie. 

Reclites Auge: 

Der kreisrunde, von einern vollkommen geschlossenen Binde- 
gewebs- und Aderhautring begrenzte Sehnerv zeigt eine grosse, 
centrale, blendendweisse runde Stelle: eine seichte, physiologische 
Excavation mit ausgesprochener Fleckung der Lamina cribrosa, die 
vorziiglich am Rande der Delle hauptsachlich eine radiare An- 
ordnung der hellgraugrunlichen Spalten zwischen den weissen Septen 
in der siebformigen Platte aufweist. 

Der breitere nasale Opticussaum erscheint etwas gesattigter 
rosarot als der schmalere temporale Saum. 

Der retinale venose Gefassverlauf zeigt keine besondere Ano- 
malie; der arterielle dagegen weist eine seltene Abart auf. 

Ein grosser arterieller Stamm zweigt sich mit deutlichem 
Reflexstreifen versehen gerade unter und neben dem Eintritte 
der unteren grossen Netzhautvene in die Gefasspforte von dem | 


unteren arteriellen Hauptaste ab, lauft langs des unteren Randes 
der physiologischen Excavation bin, urn nach einer nach oben 
gerichteten seichten Curve liber den unteren ausseren Binde- 
gewebsring hinweg am Aderhautring plotzlich scharf abgesetzt 
zu endigen. Dieses Gefass taucht nirgends mehr sichtbar in 
der Netzhaut auf; es biegt zweifellos am Rande des Sehnervs 
in die dahintergelegene Aderhaut ein (Arteria optico-ciliaris). 
Es entspringt von ihm ein kleines Reiserchen, das am Rande der 
Excavation in die Hohe zieht und eine Anastomose eingeht mit 
einem anderen kleinen arteriellen Astchen, das von der Arteria 
temporalis sup. stammt. 

Der aus der Gefasspforte nach unten austretende arterielle 
Hauptast ist gerade oberhalb einer Teilungsstelle durch einen ihn 
iiberquerenden schmalen blendendweissen Bindegewebszug unter- 
brochen, der unter der Vena nasal, inf. hindurch sich noch eine 
kurze Strecke nach unten aussen liber das Anfangsstlick der Arteria 
temporal, inf. hinzieht. 

Die Farbe des Hintergrundes urn den Sehnerv ist die eines 
blondenindividuums, hellgelblichrot, feinchagriniert; in der Peripherie 
des Bildes erscheint der Hintergrund jedoch gleichmassig rot. 

Die Macula lutea stellt ein horizontales Oval dar, etwas kleiner 
als der Sehnerv und von gesattigt roter Farbe ohne Foveola. Nach 
unten, innen und oben innen ist ein ganz zarter, eben wahrnehm- 
barer schmaler graulicher Reflexbogen wahrzunehmen. 


H. J., 31 years old, assistant in a brewery was ill with acute 
nephritis in autumn of 1890. During convalescence slight subjective 
disturbances, transient scintillations, rather rapid fatigue in work 
near-by, led him to consult an oculist on Nov. 8, 1890. 

In both eyes: E., V. = ®/6; also the same ophthalmoscopic 
picture, excepting the anoiualy of the vessels in the right eye 
presently to be described. 

Right eye: 

The circular papilla, surrounded by complete connective-tissue 
and choroidal rings, presents a large, central, shining-white round 
atea: a shallow physiological excavation with marked stippling of 
the lamina cribrosa. Especially near the edge of the depression 
can the light grayish-green clefts, chiefly arranged radially, be seen 
between the white septa of the cribriform plate. 

The broader nasal papillary border appears a deeper pinkish 
red than the narrower temporal border. 

The distribution of the retinal veins is normal, on the other 
hand the arteries show a peculiar variety. A large arterial vessel, 
with marked reflection, branches off from the lower main arterial 
trunk just below and next to the entrance of the lower large retinal 


vein into the vascular funnel. The artery runs along the lower 
edge of the physiological excavation, follows a slightly bent course 
upwards over the lower and ipner part of the scleral ring and comes 
to a sudden stop at the choroidal ring. This vessel does not re¬ 
appear in the retina; without doubt it turns at the margin of the 
disc into the choroid (arteria optico-ciliaris). It gives off a small 
branch which passes upward at the edge of the excavation and 
joins another small arterial branch coming from the superior tem¬ 
poral artery. The main arterial branch which proceeds from the 
vessel-entrance in a downward and outward direction is crossed and 
interrupted just above a point of bifurcation by a narrow shining- 
white connective-tissue membrane. This membrane passes under the 
infero-nasal vein and travels downwards and outwards over the 
initial portion of the infero-temp artery. 

The color of the fundus about the papilla is that of a blonde 
person, light yellowish-red, finely shagreened; in the periphery of 
the picture the fundus appears evenly red. 

The macula lutea is represented by a horizontal oval, somewhat 
smaller than the disc, of a deep red color without foveola. Below, 
inwards and above-inwards a delicate, barely perceptible narrwo 
grayish reflex-arc can be distinguished. 







O'eiler, Ophthtilmoshopischer Atlas. 


A. rah K 




















) 





B. 


Erkrankungen des Sehnervs. 
Diseases of the optie nerve. 


Tab. I. 


NEURITIS OPTICA (PAPILLITIS). 




B. Tat. I. 

Neuritis optica (Papillitis) oculi dextri. 


M. Th., 61 Jahre alt, Lohnkutscherswitwe, von ganz gesunden 
Eltern stammend, hat noch nie eine nennenswerte Erkrankung 
durchgemacht. Sie wurde erst in ihrem 19. Jahre menstruiert. Mit 
ihrein 35. Jahre verheiratet, gebar sie 5 Kinder, von denen 3 schon 
in den ersten Lehensjahren starben. In ihrem 44. Lebensjahre he- 
gann eine Unregelmassigkeit in der Periode, indem die Menses in 
profuser Weise und in kiirzeren Pausen auftraten. Dies dauerte bis 
in das 52. Lebensjahr, von welchem an die Periode noch 2—3mal 
jahrlich einsetzte. Erst vom 56. Jahre an cessierten die Menses 
ganzlich. In diese Zeit fallt nach Angabe der Patientin eine Ver- 
schlechterung des Sehvermogens beider Augen, weswegen sie am 
15. IX. 92 augenarztliche Silfe in Anspruch nahm. Bei normalem 
ophthalmoskopischem Befunde linkerseits und gleicher Sehscharfe 
beider Augen wurde rechterseits eine ausgesprochene Papillitis 
constatiert. 

Eine interne Untersuchung ergab mit Ausnahme einer leichten 
Verbreiterung des Herzens nach rechts und einer deutlichen Mitral- 
insulficienz keine weitere Anomalie. 

Das ophthalmoskopische Bild stammt aus dem Jahre 1893. 

Beiderseits: S = ®/i 2 ; mit + 1 Dioptr. S ^/s ; mit + 4 Dioptr. 
Nieden 1 auf 25 Ct. 

Farbenperception normal. 

Rechterseits: concentrischeGesichtsfeldeinengung: o = 22", 
u= 35", i = 38", au^Sb". 

Linkes Auge: Medien rein; normaler Sehnerv mit deutlichem 
Bindegewebs- und Aderhautring und centraler Gefasspforte. Netz- 
hautmitte und Peripherie ebenfalls normal. 

Rechtes Auge: Medien rein. Der Sehnerv hebt sich zwar 
als eine hellere, rundliche Scheibe vom Hintergrunde ab; seine 
obere, innere und untere Grenze ist jedoch vollkommen unbestimmt, 
verwaschen, weder Bindegewebs- noch Aderhautring sichtbar; nur 
die temporale Grenze tritt etwas scharfer gezeichnet hervor. Die 
nasale Halfte des Sehnervs ist gleichmassig rotlich gefarbt, doch 


schimmert ihr Rand weisslich durch ; in der temporalen Halfte da- 
gegen beginnt eine ausgesprochene weisse Verfarbung des Opticus. 
Ohne eine merkliche Niveaudilferenz ist die Gefasspforte voll¬ 
kommen verstrichen. 

Ein zarter gleichmassiger hellgelblicher Schimmer lagert sich 
in breiter Ausdehnung um den Sehnerv. 

Die Netzhautgefasse zeigen keine augenfalligen Veranderungen. 
Die Arterien, mit deutlichen Reflexstreifen versehen, erscheinen nur 
etwas schmaler; die Venen etwas dunkler und leicht geschlangelt. 
Auffallend diirfte nur die grosse Zahl kleiner Gefasse zu den macu- 
laren Partien sein. 

Die Macula lutea zeigt eine sehr tiefe Lage. Sie sitzt 2^/2 
Papillenbreite nach aussen vom Sehnerv und etwas unterhalb einer 
Tangente, die den unteren Sehnervenrand streift. Sie ist durch 
eine rundliche dunkelrote Stelle (ohne Foveola) mit verschwommenen 
Grenzen und ohne Reflexring gekennzeichnet. Eine kleine Vene 
umkreist ihren oberen Rand. 

Um die Hetzhautmitte liegt in grosser Ausdehnung ein ganz 
zarter, gleichmassiger, graulicher Schleier. Durch diesen hindurch 
gewahrt man eine sehr grosse Zahl ganz kleiner, eben wahrnehm- 
barer, rundlicher, gelblicher Piinktchen, die alle isoliert stehen, keine 
Heigung zur Confluenz und kein bestimmtes Verhaltnis zu den 
Netzhautgefassen zeigen. ISTasalwarts sind sie in etwas breiterer 
Zone angehauft. 

Wahrend in den macularen Partien Aderhautgefasse nicht 
sichtbar sind, treten sie in den ubrigen Partien des Hintergrundes 
zwar deutlich sichtbar hervor; es sieht aber aus, wie wenn der- 
selbe zarte Schleier, der um die Netzhautmitte liegt, sich auch vor 
die Chorioidealgefasse lagern wiirde, darum sehen die Intervascular- 
raume der Chorioidea so eigentiimlich hellgrau aus, die Aderhaut¬ 
gefasse haben einen viel helleren, gelbrotlichen Farbenton und ihre 
Contouren erscheinen nicht so bestimmt. Der hellgelbliche Farben¬ 
ton einzelner Aderhautgefasse unterhalb des Sehnervs lasst ubrigens 
auch eine beginnende Sclerose derselben mutmassen. 


M. Th., 61 years old, of healthy parentage, has never been 
seriously ill. Menstruation commenced in the Ifl*** year. She was 
married when 35, has given birth to 5 children, 3 of whom died 
in early life. In her 44*’* year her periods became irregular, the 
flow was profuse and appeared in shorter intervals. This continued 
to her 52'* year, when the periods came only 2—3 times a year. 
Commencing with her 56*** year the menses ceased entirely. At 
this time it was noticed that the vision in both eyes was impaired, 
so that she consulted an oculist on Sept. 15, 92. The vision was 
the same in both eyes; the fundus of the left eye was normal 
while in the right marked papillitis was noticed. 

Physical examination detected no anomaly beyond a slight 
dilatation of the heart to the right and a distinct mitral insufficiency. 

The ophthalmoscopic picture was drawn in 1893. 

On both sides V ®/i 2 , with 4- 1 D V "/s; with + 4 D Meden 
1 in 25 cm. 

Color-sense normal. 

On the right side, concentric contraction of field: up 22", 
down 35 ", in 38", out 35". 

Left eye: media clear; disc normal, with distinct scleral and 
choroidal rings, central vessel-entrance. Retinal centre and peri¬ 
phery are also normal. 

Right eye: Media clear. The disc appears as a lighter-color¬ 
ed, round area in the fundus; the upper, inner and lower borders 
are ill-defined and hazy; neither scleral nor choroidal rings can be 
seen; the temporal border, however, seems to be somewhat better 
defined. The nasal half of the disc is evenly red, though its border 
appears whitish; the temporal half commences to show a whitish | 


discoloration of the disc. The vessel-entrance is completely blurred 
and without a noticeable difference in level. 

A delicate uniform, light yellowish lustre surrounds the papilla 
to a considerable extent. 

The retinal vessels present no striking changes. The arteries 
with distinct reflex-streaks appear somewhat contracted; the veins 
are darker and slightly tortuous. Rather unusual is the large 
number of vessels going to the macular region. 

The macula is situated very low down. At a distance of 
2^1-2 papilla-diameters external to the disc, it lies below the tan¬ 
gent which touches the lower border of the disc. The macula is 
represented by a round, dark fed spot without foveola, with in¬ 
distinct outline and without reflex-ring. A small vein encircles its 
upper margin. 

A delicate, uniform grayish veil surrounds the retinal center 
to a large extent. Through this a great number of small, just 
perceptible, round yellow dots are visible; they are isolated, show 
no tendency to coalesce, and have no particular arrangement as 
regards the retinal vessels. In the nasal side they are collected 
in a broader zone. 

The choroidal vessels are distinctly visible every where except 
in the macular region. The same veil which surrounds the ma¬ 
cula, seems also to cover the choroidal vessels, thus making the 
intervascular spaces of the choroid appear peculiarly light-gray, 
and the choroidal vessels have a much lighter, yellowish-red color 
and their contours are not so well-defined. The light yellowish 
color of several choroidal vessels below the disc suggests commenc¬ 
ing sclerosis. 







Qeller, Ophthalmoskopisdier Atlas. 


B. Tah. [. 




















B. 


Erkrankungen des Sehnervs. 
Diseases of the optic nerve. 


Tab. VIII. 


ATROPHIA NERVI OPTICI; ENDARTERIITIS RAMI ARTERIAE 

TEMPORALIS INF. 



B. Tab. VIII. 

Atrophia nervi optici; Endarteriitis rami arteriae temporalis inf. oculi sinistri. 


L. Fr., 43 Jahre alt, Drechsler, von ganz gesunden Eltern 
stammend, hatte niit 15 Jahren Scharlach und Diphtherie durch- 
gemacht. In seinem 24. Jahre wurde er syphilitisch inficiert. 
Seit seinem 29. Lehensjahre mit einer gesunden Frau verheiratet, 
erzeugte er neun Kinder; eines wurde todt geboren, die ubrigen 
starben meist schon im ersten halben Jahre. 

Nach vorausgegangenem, ofteren, vorubergehenden Doppelt- 
sehen trat im Juni 1886 unter Kopfschmerzen eine bedeutende Ver- 
schlimmerung des Sehvermogens beider Augen ein; das linke Auge 
erblmdete sehr rascb ganzlich, wahrend auf dem rechten Auge ein 
Eest des Sehvermogens erhalten blieb. Seit Nov. 1886 ist nun der 
Zusta,nd beider Augen vollkommen gleich geblieben. Auch im All- 
gemeinbefinden waren nur hie und da geringgradige Storungen auf- 
getreten: zuweilen reissende Schmerzen in den Beinen, reichliche 
Schweisse, auch bei Nacht, Herzklopfen und Kopfschmerzen mit 
wBchselnder Localisation. Patient stand dieser Symptome wegen 
wahrend der letzten zwei Jahre wiederholt in langerer interner 
poliklinischer Beobachtung. 

Eine vom 16. IX. 96 vorgenommene Untersuchung ergab: 

Catarrh, apic. dextr.; geringe Verbreiterung des Herzens nach 
rechts; an alien Ostien reine Tone; stets starke Beschleunigung 
des Pulses: 110 in der Minute. Von Seite des Nervensystems: 
geringgradige linksseitige Ptosis, Reaction der Pupillen reflecto- 
risch = 0; accommodativ aber vorhanden; Patellarreflexe ge- 
steigert, besonders links; Vorderarm-Periostreflexe, Bicopssehnen- 
reflex, Sohlenstreichreflex sehr verstarkt, Sensibilitat, Schmerzem- 
pfindung, Warmeempfindung, grobe Kraft normal; keine Ataxie. 

Interne Diagnose; Cerebrale Lues; Myodegeneratio cordis. 

Eine am 14. IX. 96 vorgenommene functionelle Priifung der 
Augen ergab: 

Rechtes Auge: E S = _N. 15 auf 10 Ct.; temporale Ge- 

sichtsfeldhalfte fehlt, Trennungslinie geht genau durch den Fixa- 
tionspunkt; erhaltene Gesichtsfeldhalfte oben und unten ebenfalls 
bedeutend eingeengt. Vollstandige Rot-Griinblindheit. 

Spiegelbefund: weisse Papille mit normalen Gefassen. 


Linkes Auge: S = A. 

Der Sehnerv ist scharf begrenzt durch den Skierairing, der 
namentlich nach unten innen breiter und bestimmter gezeichnet in 
die Augen springt. Er erscheint in seiner' ganzen Ausdehnung gleich- 
massig hell, silbergrau, fastweissohneirgendwelcheweitereZeichnung 
zu zeigen; nur die central gelegene Gefasspforte hebt sich durch 
ihre blendend weisse Farbe von ihrer Umgebung ab. Arterien wie 
Venen bieten weder nach Verlauf noch nach Caliber irgendwelche 
Anomalie. ^ Die grosseren Arterienstamme zeigen die normalen 
Reflexstreifen. Nur ein grosserer arterieller Seitenast, der gerade 
unterhalb der Mitte des unteren Sehnervenrandes iiber den venosen 
Hauptstamm macularwarts zieht, weist in seinem Verlaufe eine 
eigentiimliche Veranderung auf. Wahrend er von seiner Abzweig- 
ungsstelle an gerade unterhalb des Opticusrandes olme Reflexstreifen 
nur schwer vom Rot des Hintergrundes sich abhebt, wird er ca. 

1 Papillenbreiten nach unten aussen vom Sehnerv etwas breiter 
und verwandelt sich in einen gelblich-weissen, glanzenden Strang, 
der scharf von der Umgebung sich abhebt und breiter ist als 
der Reflexstreifen einer Arterie vom Caliber der vorliegenden. 
Auch die Farbe des Stranges ist warmer, gelblicher als der 
gewohnliche Reflexstreifen; beiderseits ist ervon einem ganz zarten, 
roten Coiitour eingescheidet. Nach einem bogenformigen ca. 1 
Papillenbreiten betragenden Verlaufe verschmalert sich die Arterie 
wieder zu einem gleichmassig breiten roten Gefass ohne Reflex¬ 
streifen. Ca. 1 papillenbreit nach oben aussen vom Beginne dieser 
degenerierten Arterienstelle liegt durch einen zart graulich-roten 
rundlichen Fleck angedeutet die Macula lutea. Urn die Netzhaut- 
mitte erscheint der Augenhintergrund in grosser Ausdehnung aus- 
gesproehen gelblichrot und alle macularwarts ziehenden Gefasschen 
heben sich nur schwer von ihrem Untergrunde ab. 

Namentlich an der temporalen Sehnervenseite gewahrt man 
in ganz unbestimmten Contouren hellere gelbliche Streifen mit 
dunkelgrauroten Zwischenraumen (wahrscheinlich sclerotische Ader- 
hautgefasse mit den dunkleren Intervascularraumen). 


L. Fr., 43 years old, turner, of healthy parents. He had 
scarlet fever and diphtheria when 15 years old. In his 24year 
he contracted syphilis. Since his 29 year he has been married 
to a healthy woman; of the nine children, one was still-horn, 
all of the others died usually in the first half-year. 

After repeated, transient attacks of diplopia, a decided dimi¬ 
nution of the vision in both eyes set in with head-ache in June 1886; 
the left eye rapidly became totally blind, while some vision remained 
in the right eye. Since Nov. 1886 the condition of both eyes has 
been stationary. His general state of health has only from time 
to time been slightly disturbed: occasional shooting pains in the 
legs, profuse sweats also at night, palpitation and headache of 
varying localisation. The patient has visited the dispensary off 
and on during the last two years on account of these symptoms. 

The examination on Oct. 16, 1896 gave: 

Right apex-catarrh, slight dilatation of the heart to the right; 
heart sounds clear, continuously rapid pulse, 110 in the minute 
Nervous system: slight ptosis on the leftside. Pupillary reaction 
to light absent, present in accomodation; patellar reflex increased 
especially left: The periosteal reflex of the forearm, the biceps- 
tendon reflex and the plantar reflex were much increased, sensation, 
pain, temperature-sense, and strength were normal. No ataxia. 
The medical diagnosis was: cerebral syphilis, myocarditis. 

A functional examination of the eye on Oct. 14. 96 showed: 

Right eye: E. V. = ^/eo, N. 15 in 10 cm; the temporal half 
of the field is wanting, the line of separation goes right through 
the point of fixation, the preserved half of the field is also limited 
above and below. Total blindness for red and green. 

The ophthalmoscopic image shows a white disc and normal 
vessels. 


Left eye: V. = L • 

The disc is sharply outlined by the scleral ring which ap¬ 
pears broader and more pronounced below and internally. The 
disc appears everywhere uniformly light silvery-gray, almost white 
without any markings except the vessel-entrance situated centrally, 
which differs from its surroundings by its shining-white color. The 
arteries and veins are normal both in course and in caliber. The 
larger arterial trunks show the normal reflection. The large arterial 
lateral branch, however, which passes over the main venous trunk 
just below the middle of the lower papillary border as it travels 
to the macula, presents a peculiar variation in its course. While 
at its origin just below the margin of the disc this artery shows 
no reflex streak and is but little defined on the red of the fundus, it 
becomes broader at a point Vk papilla-diameters below and out¬ 
ward of the disc and changes to a yellowish-white shining line 
which is in sharp contrast to the surroundings and is broader than 
the reflex-streak of an artery of like caliber. The color of the 
strand is in addition more intense, more yellow than the usual 
reflex-streak, it is enclosed on both sides by a delicate red outline. 
After a curved course of about I ^2 papilla-diameters in length this 
artery again contracts to a uniformly broad, red vessel without 
reflection. A delicate, grayish-red rounded spot marks the position 
of the macula lutea at about 1 papilla-diameter above and to the 
outer side of the beginning of the degenerated portion of the artery. 
The fundus to a great extent about the retinal centre appears 
decidedly yellowish-red and all the smaller vessels passing to the 
macula are seen with difficulty. 

Lighter yellowish streaks with indefinite contours and dark 
grayish-red interspaces are especially noticeable on the temporal 
side of the disc (presumably sclerosed choroidal vessels with darker 
intervascular spaces.) 












Oellei', Ophth almoskopisrher Atlas. 






Atro[ihia Tiervi optici. Endartemtis rami arteriae teniporuTis iaferioris 





















"tniir rtin-i 







c. 

Erkrankungen der Netzhaut 
Diseases of the Retina. 


Tab. II. 


NEURO-RETINITIS ALBUMINURICA. 




C. Tab. II. 

Neuro-Retinitis albuminurica oculi dextri. 


G. St., 22 Jahre alt, Rangiergehilfe, hat seiner Angabe nach 
mit 6 Jahren die Wassersucht (Scharlach?) gehabt. Anhaltende 
schwere korperliehe Arbeit hatte ihn in den letzten Jahren zum 
Potatorium verleitet. Ohne fruher augenleidend gewesen zu sein, 
bemerkte er am 9. XII. 95 wahrend der Arbeit im Freien plotzlich 
eine ganz bedeutende Abnahine des Sehvermogens beider, namentlich 
aber des rechten Auges. Er stellte sich deswegen am 12. XII. 95 vor. 

Die interne Untersuchung ergab eine bedeutende Herzhyper- 
trophie, hohen Arteriendruck (180 mm Hg.); bei 2200 gr. Harn- 
menge und 1017 spec. Gewicht l°/oo Eiweiss. ISTach Twochent- 
licher Bettruhe und Milchdiat wurde Pat. am 9. I. 96 gebessert 
entlassen, sowohl in Bezug auf das Allgemeinbefinden als das Seh- 
vermogen. Aber wenige Tage nach seiner Ankunft in der Heimat 
traten heftige Schmerzen im Kopfe und in der Nierengegend und 
wiederholt blutiger Urin auf. Das Sehvermogen sank sehr rasch 
und war bis zu seinem ant 31. I. 90 unter einem leichten uramischen 
Anfalle erfolgten Tode fast ganzlich erloschen. 

Die funktionelle Prufung am 12. XII. 95 ergab: 

Rechtes Auge: MID. S ®/i 5 . 

Linkes Auge; E S ®/i 5 . 

Der ophthalmoskopische Refund war auf beiden Augen im 
wesentlichen gleich. 

Rechtes Auge: 

Brechende Medien rein. 

Der Sehnerv stellt eine rundliche, ganz unbestimmt contourierte 
rotliche Masse ohne Niveaudifferenz dar, in der das aufrechte Bild 
eine zarte radiare Streifung erkennen lasst. An den mutmasslichen 
Sehnervenrandern gewahrt man mehrere kleine, rundliche, weissliche 
Herde (Fettkornchenzellen oder varikose Xervenfasern). Den Seh¬ 
nerv umgiebt ein rautenformiger, gelblichweisser Hof; seine Grenzen 
sind nach oben ^aussen und unten innen unbestimmt, nach oben 
innen und unten aussen dagegen scharf contouriert, leistenartig auf- 
geworfen. Im weisslichen Hofe sind nach oben aussen ahnliche 
hellerweisse Einlagerungen sichtbar wie an den Randern des Seh- 
nervs selbst. 

Aus der Mitt'e des Sehnervs tauchen zwei bedeutend ver- 
schmalerte Arterien auf: Art. temp. sup. et inf., letztere stellen- 
weise weiss eingescheidet. Erstere wird ca. IV 2 papillenbreit nach 
oben aussen auf eine kurze Strecke gleichmassig etwas breiter, ist 


beiderseits von einem schmalen grauschwarzen Pigmentsaume be- 
gleitet und mit einem centralen weissen Streifen versehen der 
breiter ist als dergew6hnlicheReflexstreifen(Endarteriitis). DieVenen 
des Sehnervenkopfes sind breiter, dunkler, haben scharf gezeichnete 
Reflexstreifen. Der Ursprung zweier nasaler Venen ist durch den den 
Opticus umgebenden Hof gedeckt. Zahlreiche ganz diinne Gefasschen 
tauchen da und dort meist an den Randern des Sehnervs auf. In den dem 
Sehnerveneintritt benachbarten Netzhautpartien beschreiben die stark 
gefiillten und geschlangelten Venen starker vorspringende Schleifen 
sind aber da und dort durch das namentlich langs der temporalen 
Gefasse bestehende Odem stellenweise leicht verschleiert. Die 
Xetzhaut erscheint an diesen Stellen auf kurze Strecken auch'radiar 
zur Papille gestreift. 

Am oberen inneren Rande des beschriebenen Hofes scheint 
sich das Netzhautodem besonders zu verdichten. In den odematosen 
Partien um den Sehnerv und langs der temporalen Gefasse trifft 
man ganz regellos zerstreut sehr zahlreiche kleine rundliche, isoliert 
stehende oder confluierende weissliche glanzende Fleckchen, so dass 
der Hintergrund an diesen Stellen wie weiss bespritzt erscheint. 
Einzelne kleine streifige Blutungen sind in nachster Nahe des Seh¬ 
nervs in der Xetzhaut zerstreut. 

Ein eigentiimliches Verhalten zeigen die macularen und 
inneren paramacularen Partien. Wahrend liber den ganzen im 
Bilde dargestellten Hintergrund ein leichter odematoser Hauch zu 
liegen scheint, weist die genannte Region zwei grosse, rundliche, 
odemfreie, tiefrote Plecken auf: der maculare kleiner als der innere,' 
und durch eine breite Brucke mit ihm im Zusammenhange stehend.’ 
Im paramacularen Plecke gewahrt man eine ganz zarte eben 
wahrnehmbare dunkelrote horizontale Streifung. Umsaumt sind 
beide roten Kreise von gelblichweissen, fettglanzenden, rundlichen 
Oder strahligen Herden, zum macularen Centrum radiar gestellt 
und so eine teilweise Sternfigur bildend, zur paramacularen Zone 
dagegen irregular gruppiert. An einzelnen Stellen sieht man deut- 
lichst, dass Netzhautgefasse liber diese Herde ununterbrochen hin- 
liberziehen. 

Eine aulfallende Erscheinung sind zahlreiche an der Peripherie 
des Bildes oben, oben aussen und unten aussen eben wahrnehmbare 
zarte radiar zum Sehnerv oder zur Macula streichende verschieden 
lange, schmale, parallell zu einander laufende hellgrauliche Streifen 
(moglicherweise z a r t e Faltelungen der inneren Netzhautschichten). 


G. St., 22 years old, brakesman, states that he suffered from dropsy 
(scarlet fever?) at age of 6. During the last few years severe 
and prolonged physical exercise had led him to drink. His eyes 
had always been healthy until on Dec. 9, 95 while working out 
of doors he noticed a considerable diminution in the vision of 
both, and especially of the right eye. He came to us on Dec. 12, 95. 
The medical examination showed marked cardiac hypertrophy, high 
arterial pressure (180 mm hg.); with 2200 g. of urine and sp. 
grav. 1017 : 1 “/oo albumen. After weeks of rest in bed and milk- 
diet, patient was discharged on Jan. 9, 96 improved both as regards 
general condition and vision. However, few days after returning to 
his home violent pains in the head and kidney-regions with repeated 
bloody urine set in. The sight diminished rapidly and had almost 
completely disappeared on Jan. 31, 96 when death occurred during 
a slight m’aemic attack. 

The functional examination on Dec. 12, 95 gave: 

Right eye: M. 1 D. V=A/i 5 . 

Left eye: E. V = ®/i 5 . 

The ophthalmoscopic images of both eyes are about the same. 

Right eye: 

Refracting media clear. 

The papilla appears as a rounded, reddish mass of indistinct 
outline ^and of the same level as the fundus. In the upright image 
this mass shows a delicate, radiating striation. At the presumable 
borders of the disc, there are several rounded, whitish spots (fatty 
granular cells or varicose nerve-fibres). A rhombic, yellowish-white 
area surrounds the disc; its limits above externally and below inter¬ 
nally are indefinite, but above internally and below externally they 
are sharply defined and raised in ridges. Above and externally in 
the white area, pale white deposits are visible similar to those I 
■on the borders of the disc. j 

Two decidedly diminished arteries arise at the centre of the 
papilla, the sup. and inf. temp, art.; the latter is in places sur- ' 


rounded by a white sheath. The veins of the papilla are broader, 
darker and show a well-marked reflex-streak. The origin of two 
nasal veins is concealed by the circum-papillary area. Here and 
there numerous minute vessels appear chiefly at the borders of the 
papilla. The distended and tortuous veins describe more protrud¬ 
ing loops in the retina surrounding the disc, though occasionally 
and especially along the temporal vessels they are veiled by a 
faint oedema. In these places the retina appears striated for short 
distances radially to the papilla. 

The oedema of the retina appears to be more dense at the 
upper and inner margin of the area just-described. In the oede- 
matous parts about the disc and along the temporal vessels many 
round, whitish shining spots lie irregularly scattered; they are 
isolated or confluent and give the fundus in these places a white 
sprinkled appearance. Several small striated hemorrhages are 
dispersed over the retina about the papilla. 

A peculiar appearance is presented by the macular and inner 
paramacular areas. In contrast to the faint oedema over the entire 
image of the fundus, this area presents two large round spots of 
deep red color and without oedema. The macular spot is smaller 
than the one more internal ; they are connected by a broad bridge. 
In the paramacular spot, a delicate dark red horizontal striation 
is just perceptible. Both red areas are surrounded by yellowish- 
white rounded or radiate spots of fatty lustre; they are arranged 
radially to the macular centre and thus form a partial star-shaped 
figure, as to the paramacular zone their arrangement is irregular. 
At some places, the retinal vessels can readily be seen to pass 
uninterrupted over these spots. 

Rather striking is the presence of barely perceptible, light 
grayish streaks in the upper, upper-outer and lower outer parts 
of the periphery. These faint streaks are narrow, of various 
length, run parallel to one another and are arranged radially to 
the disc or to the macula (possibly delicate folds in the inner 
layers of retina). - 












Oeller, OphtliaLmosTtopisdier AtLas. 


a Ta b. E 






















c. 


Erkrankungen der Netzhaut. 
Diseases of the Retina. 


Tab. VII. 


FUNDUS LEUCAEMICUS. 




C. Tab. VII. 

Fundus leucaemicus oculi dextri. 


M. M., 39 Jahre alt, Auskochgeschaftsinhaber, hat als Kind Schar- 
lach durchgemacht. Seine Mutter war an Magencarcinom, sein Vater 
an Apoplexie gestorben. Vor 6 Jahren will Patient einen einmaligen 
heftigen Fieberanfall durchgemacht hahen, von welchem an er eine 
allmahlig zunehmende Anschwellung der Milz datiert. Vor 4 Jahren 
wurde er nach einer langeren Reise der Donau entlang vom Wechsel- 
fieber befallen, das, anfanglich tagliche Anfalle zeigend, mit mehr 
minder langen Intervallen iiber ein Jahr dauerte. Die Milzanschwellung 
nahm damals bedeutend zu, das Korpergewicht dagegen unverhaltnis- 
massig ah (vom Dez. 1893 bis August 1894 angeblicb 50 kg). Zu 
Beginn des Jabres 1896 trat eine starke Anschwellung des rechten 
Unterschenkels auf, in letzterer Zeit auch heftiges Nasenbluten und 
voriibergehende Schwachezustande. 

Pat. stand seit langerer Zeit in poliklinischer Beobachtung. Eine 
Aufnahme des Status vom 13. VII. 96 ergab: 

Starker Fettschwund; bedeutende kuglige Auftreibung des Leibes; 
Bronchitis in den unteren Lappen; Insufficienz der Valvula mitralis; 
Leber bedeutend vergrossert; rechts in der vorderen Axillarlinie bei 
Riickenlage bis zur rechten Darmbeinschaufel reichend. Milz enorm 
vergrossert, sehr hart, reicht nach unten bis zur linken Darmbein- 
scbaufel. Lange 45 cm, Hohe 25 cm. Ascites nicht nachweisbar. 
Lymphdrusen nicht geschwollen. 

. Im Urin etwas Eiweiss, zahlreiche rote und weisse Blutkorperchen, 
reichliche krystallinische Harnsaure in spitzen Drusen. 

Im Blute: Zahl der roten Blutkorperchen 2.56 Millionen im □ mm ; 
Zahl der weissen 675 000; Verhaltnis der roten zu den weissen 4: 1. 
Zahlreiche grosse mononucleare Knochenmarkszellen, zum Teil mit 
eosinophiler Granulation; viele kernhaltige rote Blutkorperchen. 

Patient starb am 12. Xll. 96 an Herzparalyse. Die Section be- 
statigte die klinische Diagnose einer medullar-lienalen Leucamie voll- 
standig. Die Milz wog 3.3 Kilo, die Leber 6.3 Kilo. Das Knochenmark 
(Sternum und Tibia, sin.) war weich, schmutzigbraunrot. 

Patient hatte sich am 18. IX. 94 zum ersten Male zu einer 
augenarztlichen Untersuchung vorgestellt. Aus dieser Zeit stammt 
auch der Augenspiegelbefund, der mit Ausnahme der in den' letzten 
Monaten aufgetretenen weiteren V eranderungen lange Zeit vollkommen 
sich gleich geblieben ist. 

Beiderseits: E. S. ^/u, Pr. 1 D., Sn. 1. Ophthalmoskopischer 
Refund beiderseits gleich. 

Rechtes Auge: 

Ein sofort in das Auge springendes Symptom liegt in dem Unter- 
schiede der Pigmentierung der Haare und des Augenhintergrundes. 
Wahrend erstere ganz dunkelbriinett, fast schwarz erscheinen, ist der 
letztere von einer eigentiimlich hellen, gelbrotlichen Farbe, ahnlich 
wie bei hellblonden Individuen; es handelt sich aber nicht um das 
schone, leuchtende, transparente Rot, durch welches da und dort 


Aderhautgefasse sichtbar sind, sondern um eine mehr lehmfarbige 
Nuance, namentlich um den Sehnerv und seine nachste Umgebung, 
aber selbst in den aquatorialen und peripheren Partien zeigt der Hinter- 
grund noch ein auffallend belles, gelbliches Rot. Dabei ist im auf- 
fallenden Bilde eine deutliche Kornung des Hintergrundes bemerkbar. 

Der Sehnerv bietet keine besondere Anomalie, weder in Form 
noch Farbe; es ist nur seine nasale Grenze etwas mehr verwaschen 
dadurch, dass auch die nasale Opticushalfte etwas roter erscheint. Der 
Scleralring ist aber nach oben, aussen und unten scharf ausgepragt, 
die Gefasspforte nicht verstrichen. 

Ein geradezu pathognostisches Verhalten zeigen die Netzhautvenen. 

Trotzdem entziindliche Erscheinungen im Sehnerv und Netzhaut 
vollkommen fehlen, sind dieselben um das Doppelte ihres Kalibers 
verbreitert, vielfach geschlangelt vom Sehnerv bis in die ausserste 
Peripherie. Die grosseren Venen stellen formliche blutige Wiilste dar. 
Trotz ihrer prallen Fiillung und Schlangelung zeigen aber die Venen 
ein viel helleres Rot; nur ist dieses von einer eigentiimlich schmutz- 
igen, hellen, lackfarbenen Nuance. Obgleich sie stellenweise scharf 
gezeichnete Reflexstreifen fiihren, heben sich ihre Contouren meist 
weicher von der Umgebung ab als die Venenwandungen eines normalen 
Hintergrundes. 

Die Arterien zeigen normalen Verlauf und normales Kaliber; nur 
erscheint auch ihr Farbenton etwas heller, mit einem Stich ins 
Orangegelbe und ihre Reflexstreifen sind nicht so scharf ausgepragt. 
Die Macula lutea ist deutlich durch einen kleinen rundlichen, dunkel- 
roten Fleck gekennzeichnet. — Nirgends, auch nicht in der Peripherie, 
sind Blutungen oder Fettherde zu constatieren. 

Der geschilderte Refund blieb sich gleich bis in die letzten Monate 
herein. Die letzte Spiegeluntersuchung wurde am 6. XII. vorgenommen. 
Entziindliche Erscheinungen fehlten auch da noch vollkommen; jedoch 
sind ca. 4 Papillen breit vom Sehnerv nach oben aussen in der Nahe 
der Vena temporalis sup. einzelne Blutungen aufgetreten, die ein eigen- 
tiimliches Verhalten zeigen. Ein von der Umgebung nur matt sich 
abhebender, grosserer runder Herd von fast Papillengrbsse er¬ 
scheint wie marmoriert durch hellrote und gelbliche Flecken und 
Streifen von annahernd gleicher Grosse. Nehen diesem liegen noch 
2—3 kleinere, mehr dreieckige, hell lividrote Herde, die in ihrer 
Mitte einen rundlichen, gelblichen Fleck umschlies.sen. 

Ein weiterer Befund besteht in der Anwesenheit sehr zahlreicher, 
nur schwer sichtbarer, rundlicher, gelber, glanzloser, regellos zerstreuter 
Fleckchen von dem Durchmesser eines Maculargefasses. Sie liegen 
schon vereinzelt rings um den Sehnerv, treten aber in grosserer Zahl 
erst unterhalb, namentlich aber oberhalb der Macula lutea anf, die 
normale Netzhautmitte vorerst noch freilassend. Sie zeigen kein Ab- 
hangigkeitsverhaltnis vom retinalen Gefassverlaufe und durften in den 
ausseren Netzhautschichten liegen. 


M. M., 39 years old, had scarlet fever when a child. His mother 
died of cancer of the stomach, his father of apoplexy. Six years 
ago patient suffered from a severe attack of fever, since which the 
spleen has gradually enlarged. Four years ago, after a long journey 
on the Danube, he was taken ill with intermittent fever, at flrst 
with daily attacks, which lasted over a year with more or less long 
intermissions. The splenic tumor then increased, considerably, in size 
but there was a disproportionate loss in body weight (from Dec. 93 
to Aug. 94 about 50 kg). In the beginning of 1896 the right leg 
became very much swollen; recently he has suffered from profuse 
epistaxis and transient condition of weakness. 

Patient has been under observation at a dispensary for a long 
time. An examination on July 13, 1896 showed : 

Marked emaciation; decided distension of the abdomen; bron¬ 
chitis in the lower lobes; mitral insufflciency; liver much enlarged; on 
the right side in the anterior axillary line it reaches to the right 
ilium when patient is on his back. Spleen enormously enlarged, very 
hard, extends below to left ilium. Length 45 cm., height 25 cm. 
No ascites. Lymph nodes not enlarged. 

The urine contains some albumen, numerous red and white 
blood cells, considerable uric acid in pointed clusters. The blood 
contains 2,56 millions of red blood cells in the squ. mm; the leucocytes 
number 675,000; relation of the red to the white 4:1. Numerous 
large mononuclear myeloid cells, in part with eosinophile granulations, 
many nucleated red blood corpuscles. 

Patient died on Dec. 12, 96 from paralysis of the heart. The 
autopsy confirmed the clinical diagnosis, splenic-myelogenous leucaemia. 
The spleen weighed 3,3 kilos, the liver 6,3 kilos. The medulla of 
the bone (sternum and left tibia) was soft and dull brownish-red. 

The eyes of the patient were examined for the first time on 
Sept. 18, 94. The ophthalmoscopic picture was drawn at that time; 
the condition has for a long time remained the same, except some 
further changes during the last few months. 

On both sides; E. V = ®/g Pr. 1. D. Sn. 1. The ophthalmoscopic 
images are the same. 

Right eye: 

There is a striking difference between the color of the hair and 
of the fundus. The hair is dark brown, almost black, while the 
fundus has a peculiar light yellowish-red color, similar to that of a 


blonde person. It is not however that beautiful, lustrous, transparent 
red, through which choroidal vessels are visible in places, but a more 
clay-like shade especially about and near the disc; even in the 
equatorial and peripheral parts the fundus is unusually light yellowish- 
red. In the upright image the fundus appears distinctly granular. 

The disc presents no particular anomaly in form nor in color; 
the nasal border is somewhat more indistinct, because the nasal 
half of the disc is redder. The scleral ring is well defined up, out 
and down; the vessel-entrance is not hazy. 

The retinal veins present a pathognomonic condition. 

Although signs of inflammation in the optic nerve and retina are 
entirely wanting, the veins are twice as large as usual and tortuous 
from the disc to the extreme periphery. The large veins appear like 
bloody ridges. Notwithstanding their distension and tortuosity the 
color of the veins is a much lighter red, though of a peculiar dull 
glaze. Although they carry a distinct reflex-streak in places, their 
outlines are not so sharply defined against the fundus as is usual in 
normal condition. 

The arteries show a normal course and normal calibre; their color 
however is somewhat lighter, of an orange-yellow hue, and the reflex- 
streaks are not so well defined. The macula lutea is distinctly visible 
as a small, round dark-red spot. Nowhere, not even the periphery, 
are hemorrhages or patches of fatty degeneration to be seen. 

The above-described condition remained the same until within the 
last months. The last ophthalmoscopic examination was made on 
Dec. 6. Signs of an inflammation were still absent; though 4 papilla- 
diameters up and out from the disc near the sup. temporal vein several 
hemorrhages had taken place, which show a peculiar- condition. An 
indistinct, large, round patch of the size of the papilla appeared 
mottled with light red and yellowish spots and streaks of about the 
same size. Next to this theie are 2—3 smaller, more triangular, light 
red patches which enclose a round yellowish spot. 

In addition very many, hardly perceptible, round spots are 
visible; they are irregularly scattered, of a dull yellow color and as 
broad as a macular vessel. They appear isolated around the disc, 
below and especially above the yellow spot they are present in much 
greater numbers; the retinal centre is, however, free from them. They 
show no connection with the course of the retinal veins and may 
be situated in the outer layers of the retina. 






OeLler, OpMhabmskopischer Atlas. 










c.iah m 


!-Druckdrei v.ffSticrtz.Wrcrzbur^- 









C. Tab. XV. 

Atrophia nervi optici, Obliteratio vasorum retinae oculi dextri. 


K. A., 47 Jahre alt, Skribent, wurde am 27. August 1881 
von einem von der Nasenspitze aus beginnenden und rasch zuerst 
iiber die linke, dann aber auch rechte Gesichtshalfte sich aus- 
breitenden Erysipel befallen mit starker Schwellung des oberen 
und unteren Tides und Protrusion der Bulbi, sichtbarer Throm- 
bosierung der Supraorbital- und Prontalgefasse und mehrfacher 
Abseessbildung in der rechten Temporal- und Parietalgegend. Am 
12. September wurde die Amaurose des rechten Auges konstatiert 
bei intaktem Sehvermogen des linken.*) 

L. Auge: E. S. ^/i Pr. 1.5 Diopt. 

Das 1893 aufgenommene Spiegelbild des total amaurotischen 
rechten Auges ist folgendes: 

Brechende Medien rein. 

Der Sehnerv ist durch seinen Skierairing scharf gerandert, 
rundlich, nur seine nasale Begrenzung erscheint mehr geradlinig; 
er ist blendend weiss mit einem Stich ins Griinliche. In den mitt- 
leren Partieen des Opticus ist die Fleckung der Lamina cribrosa 
deutlich sichtbar. Nur in der oberen Halfte des Sehnerveneintritts 
sind Gefasse sichtbar: zwei bedeutend verschmalerte Venen ohne 
sichtbare Wanderkrankung und ein fadendiinnes arterielles Stamm- 
chen, das nasalwarts zwei kleine Eeiserchen abgiebt, um dann als 
Art. temp. sup. bogenformig nach aussen oben zu ziehen. Zu einem 
kaum wahrnehmbaren roten Faden verdiinnt ist sie vom oberen 
ausseren Sehnervenrande aus doppelt weiss eingescheidet; diese 
Einscheidung setzt sich noch eine Strecke weit fort langs eines 
ganz zarten, arteriellen Eeiserchens, das vom Hauptaste nach auf- 
warts zieht. Die direkte Fortsetzung der Art. temp. sup. stellt 
macularwarts nur einen weissen Faden dar, der in seinem Verlaufe 
oft nur sehr schwer sichtbar ist. An der gerade nach aufwarts 
ziehenden Vene entspringt in geringer Entfernung von der Mitte 
des oberen Papillenrandes ein weiterer, weisslicher Faden, der nur 


*) Die ausfiihrliche Krankengesohichte und den dainaligen Augenspiegel- 
befund siehe: ,Aug. Carl: Zur spezielleren Atiologie der nach Erysipelas Faciei 
auftretenden Sehnervenatrophie." Klinische Monatsblatter fur Augenheilkunde 
XXII. Jahrgang, April, pg. 113 ff. 


in einem etwas geschweifteren Bogen als die obere Schlafenarterie 
temporalwarts zieht. 

In der ganzen unteren Halfte der Papille vermisst man blut- 
fiihrende Gefasse; an deren Stelle sieht man nur 6 weissgelbliche, 
fast ganz gestreckt verlaufende, diinne Faden in die Peripherie 
hinausziehen. Die meisten dieser Faden sind in der nachsten Nahe 
der Papille am deutlichsten zu sehen, wahrend sie in ihrem weiteren 
Verlaufe oft nur sehr wenig vom Hintergrunde sich abheben; nur 
der nach unten aussen macularwarts ziehende Strang endigt scharf 
abgesetzt mit einem leicht kolbig verbreiterten Ende, dessen Eander 
von einem Pigmentsaum umgeben sind. 

Die nasalwarts ziehenden, kleinen, arteriellen Astchen gehen 
ausserhalb des Sehnerveneintrittes sofort in diinne, weisse, schwer 
wahrnehmbare Fadchen iiber. 

An und um die Macula lutea finden sich ausgedehnte Ver- 
anderungen: zunachst einzelne intensiv schwarze unregelmassig 
geformte Pigmentklumpen; zwischen diesen und nach einwarts von 
ihnen gegen den Sehnerv zu sieht man ein formliches Gewirre 
meist kurzer, gelblichweisser,, stellenweise ganz weisser, da und 
dort etwas knotig angeschwollener Faden, an chorioideale Gefass- 
verlaufe erinnernd und unregelmassig zwischen diesen zerstreut 
mehrere kleine gelbweisse Piinktchen; am oberen Eande dieser 
Veranderungen zieht sich streckenweise ein grauschwarzer Saum hin. 

Ein Herd zahlreicher kleiner eben wahrnehmbarer gelblich¬ 
weisser Piinktchen und verastelter Fadchen nach oben von den 
beschriebenen macularen Veranderungen, und ein ebensolcher Plaque 
2 papillenbreit gerade nach abwarts vom Sehnerveneintritt zwischen 
zwei obliterierten Netzhautgefassen, der sich noch weiter nach ab¬ 
warts erstreckt als im Bilde dargestellt ist, diirfte auf Ver- 
dickungen in der Limitans int. ret. zu beziehen sein. 

Der geschilderte ophthalmoskopische Befund ist offenbar der 
Effekt einer mykotischen Thrombusbildung, hervorgerufen durch 
Mikroben, die durch die orbitalen Lymphbahnen hochst wahrschein- 
lich langs der Gefassscheiden in den Optikusstamm und seine Ge¬ 
fasse eindrangen. Der Herd an Stelle der Macula lutea diirfte 
moglicherweise auch als aus zahlreichen, feinsten, obliterierten 
Aderhautgefassen bestehend gedeutet werden. 


K. A., 47 years old, clerk, was taken ill on August 27, 
1881 with an attack of erysipelas, which commenced at the tip 
of the nose and gradually spread over the left half and then the 
right half of the face. Both lids became very swollen and the 
eye-lids protruded; the supraorbital and frontal vessels were 
visibly thrombosed, and numerous abscesses formed in the right 
temporal and parietal regions. On Sept. 12 the right eye was 
found amaurotic while the vision in the left eye was intact.*) 

L. eye: E. V. = ’/i Pr. 1,5 D. 

The following is the image presented by the blind eye 
in 1893: 

Eefracting media clearr 

The papilla is sharply defined by its scleral ring, of rounded 
outline except the nasal margin which appears rather linear; its 
color is dazzling white with a touch of green. In the middle of the 
disc the spots of the lamina cribrosa are plainly visible. Vessels are 
only to be seen in the upper half of the disc; there are two, very 
much diminished veins, without disease of the walls, and a thread¬ 
like arterial branch. The latter gives off two small branches in 
a nasal direction and then proceeds, as the sup. temp, art., in an 
arched course upwards and outwards. At the upper-outer discal 
margin this artery, diminished to a barely perceptible red thread, 
receives a white sheathing which also accompanies a very delicate 
arterial twig passing upwards from the main trunk. The direct 
continuation of the sup. temp. art. in the macular direction is 
represented by a white thread, which is occassionally hardly visible 
in its course. Just at the vertically ascending vein, a short distance 
from the middle of the upper discal margin, another white thread 


*) The complete history of the patient with description of ophthalmoscopic 
image is given in: ,Aug. Carl: Zur spezielleren Atiologie der nach Erysipelas 
Faciei auftretenden Sehnervenatrophie.' Klinische Monatsblatter ftir Augen¬ 
heilkunde Vol. XXII, April, pg. 113. 


commences to describe a more sweeping curve and passes in a 
temporal direction as the upper temp. art. 

In the entire lower half of the papilla no blood - conveying 
vessels are to be seen; six whitish-yellow, thin threads take their 
place and are continued to the periphery, running almost a straight 
course. Generally these threads are best to be seen near the 
papilla, in their further course they are often but little differentiated 
from the background. The lower and outer thread, going to the 
macula, terminates by means of a sharply - defined, slightly club- 
shaped extremity with a pigment seam about its margins. 

The small arterial branches running nasally, immediately 
change to thin, white, hardly noticeable threads outside of the 
papilla. 

There are advanced changes at and about the macula. Between 
several intensely black and irregularly shaped pigmentary heaps, 
and internally to these in the direction of the papilla, there is 
a perfect maze of usually short, yellowish-white in places entirely 
white threads, which are here and there swollen and ressemble 
choroidal vessels. Numerous small, yellownsh - white spots are 
irregularly scattered in between them. Along the upper margin of 
this area a grayish-black border is visible for short distances. 

A collection of numerous small, just perceptible, yellowish- 
white spots and branching threads situated above the macular 
changes just described, and a similar plaque 2 papilla - diameters 
just below the disc, can be taken to be thickenings in the limitans 
int. ret. The latter plaque lies between 2 obliterated retinal vessels 
and extends further downwards than is represented in the picture. 

This ophthalmoscopic condition is evidently the result of a 
mycotic thrombus-formation of bacterial origin; the microbes having 
■ penetrated by means of the orbital lymph-channels probably along 
the vascular sheaths in the optic nerve trunk and its vessels. 
The area in the place of the macula lutea can possibly be con¬ 
sidered to be made up of numerous fine obliterated choroidal vessels. 










Oeller, Ophthalmoslwpischer Atlas. 


a TaAIK 



Atroplria iiervi optici. Oblileratio Tasoriim retinae. 













c. 


Erkrankungen der Netzhaut. 
Diseases of the Retina. 


Tab. XVI. 


ANEURYSMATA MILIARIA ARTERIARUM RETINAE. 




C. Tab. XVI. 

Aneurysmata miliaria arteriarum retinae oculi dextri. 


R. J., 18 Jahre alt, Pharmaceut, beobachtete im Sommer 1890 
ganz zufallig, dass er auf dem rechten Auge ganzlich erblindet 
war. Die eingehendste Anamnese konnte kein weiteres ursach- 
liches Moment eruieren, als dass er im 4. Lebensjahre den Schar- 
lach durchgemacht hatte. Eine wiederholte interne Untersuchung 
ergab stets negative Resultate. 

L. Auge: M = 1.75 D. S ®/6 ophtbalmoskop. Refund negativ. 

R. Auge: Handbewegung in ca. 1 Mt.; ein schmaler, keil- 
formiger Rest des Gesichtsfeldes nach unten aussen erhalten. 

Brechende Medien rein; trotzdem ist der Sehnerv nur als 
belles, weissrotliches verticales Oval mit etwas unbestimmten 
Contouren wie durch einen ihn ringsum umgebenden Nebelschleier 
hmdurch zu ahnen. Auch die grosseren Gefasstamme tauchen nur 
mit verschwommenen Grenzen im Opticus auf. Ausserhalb der 
Papille treten aber samtliche Gefasse, namentlich die temporal- 
warts verlaufenden mit aller Deutlichkeit hervor. Gerade die 
schlafenwarts ziehenden Gefasse sind eben von einem machtigen 
Oedem in den ausseren Schichten der Netzbaut begleitet, das in 
einem grossen Bogen die Netzbautmitte umkreist. Langs der oberen 
Netzhautgefasse ist das Oedem breiter, diffuser, transparenter, all- 
mablig in das Rot der TJmgebung iibergebend; nur oben aussen 
im Bilde verdicbtet sicb das Oedem zu einer grossen zusammen- 
hangenden weisslicben Flacbe. Langs der unteren temporalen Ge¬ 
fasse ist das Oedem zu einem scbmaleren, aber desto dicbteren 
weissen Strange gescbrumpft, der in einen plastiscb gegen den 
Glaskorper vorspringenden Zapfen in der Kobe der Macula und ca. 

3 Papillenbreiten von ibr entfernt endigt. An Stelle seiner grossten 
Breite (uber 1 Papillenbreite) finden sicb zablreicbe kleine meist 
ovale, graublaue Stellen, die wie seicbte Griibcben in einer er- 
starrten Masse ausseben. 

Die grosseren arteriellen Gefasstamme weisen keine besonderen 
Veranderungen auf; die kleineren JSIetzbautarterien dagegen bieten 
eigentiimliche Befunde. Ein nach unten aussen abzweigender Ast 
der Arteria temp. sup. zeigt ,in einem kurzen Abstande von ein- 
ander je zwei an- und iibereinander hangende, rundlicbe, urn das 
4—Ofache das Kaliber des Gefasses iibertreffende, rote Sacke mit 
einem kleinen centralen weissgelblichen Fleck (wahrscheinlich Re¬ 
flex). Seitliche Verschiebungen dieser Gebilde oder ein Puls- 
phanomen ist nicht wahrzunehmen. 

Jenseits der letzten zwei Anhangsel zieht die Arterie von 
normalem Kaliber und ohne Wanderkrankung weiter. Namentlich 
nach oben von den beschriebenen Gefassausbuchtungen heben sicb 
von dem weisslicben Untergrunde des Netzhautodems zablreicbe 
Bruchstiicke kleinster eben wahrnehmbarer Gefassreisercben ab, 
die hinter der Schichte der grosseren Gefasse gelegen meist in I 


knopf- Oder kolbenformige Anschwellungen endigen. Ahnlichen, wenn 
auch ma,nigfaltigeren Formen begegnet man von oben aussen her 
gegen die durch einen grossen dreieckigen schwarzen Pigmentfleck 
gekennzeichnete Macula lutea, in deren TJmgebung der Hintergrund 
ein Rot von wechselnder Nuancierung annimmt, vom Grau-Rot 
urn die Netzbautmitte zum lehmfarbigen Gelbrot langs der unteren 
wie gedeckt verlaufenden Temporalgefasse. 

Gerade nach aussen von der Macula zwischen ibr und dem 
oberen Ende des beschriebenen Zapfens ist der Hintergrund dicht 
bedeckt mit rundlichen, siegelringartigen, spindelformigen, spiralig 
gewundenen etc. Gebilden von wechselnder Grosse, teils von 
hellroter, toils von dunkelbraunroter Farbe, einzelne mit einem 
hellen gelblich weissen Fleck oder Streifen. Die moisten sind scbarf 
gezeichnet, einzelne erscheinen verschwommen. Einzelne von ihnen 
stellen Fortsetzungen oder Anhangsel kleinster Gefasse dar, die 
aber keinen sichtbaren Zusammenhang mit den grosseren Netzhaut- 
gefassen erkennen lassen. Wenn auch die meisten der beschriebenen 
Gebilde als Aneurysmen verschiedenen Alters zu deuten sind, so 
diirften doch einzelne auch auf in Resorption begriffene Blutungen 
zu beziehen sein, einzelne als Varicositaten aufgefasst werden miissen. 

Spindelformige Erweiterungen eines Astes der Vena temporalis 
inf. gerade unter einzelnen aneurysmatischen Erweiterungen eines 
kleinen temporalen Arterienastes weisen auf diese Moglichkeit bin. 

Ausser dem grossen Pigmentflecke an Stelle der Macula lutea 
sind noch zwei kleinere, spindelformige schwarze Pigmentschollen 
unterhalb der Netzbautmitte zu constatieren. Einen selten schonen 
Anblick gewahrten 2 kleine viereckige, scharfkantige brillant rubin- 
rot leucbtende Stellen (in der Reproduction unmoglich wiederzu- 
geben); die eine in unmittelbarer Nahe des oberen ausseren Randes 
des weissen Zapfens, die zweite mitten unter den eben beschriebenen 
Gebilden (offenbar Blutkrystalle). 

Im Marz 1891 trat eine Berstung der zwei oberen grosseren 
Aneurysmen ein, die eine enorme Blutung in einer TJmgebung von 
reichlich 1 Papillenbreite bedingte. Nach ca. ^4 Jahre stellte sicb 
Patient wieder vor. Die Blutung war resorbiert. An Stelle der 
zwei oberen Aneurysmen waren rechts und links am Gefassrohr 
zwei blendend weisse Sacke zu sehen, die, etwas kleiner als die 
friiheren Aneurysmen mit einem ganz schmalen weissen Streifen 
mit einander verbunden waren, der den Blutstrom scheinbar unter- 
brach. Oberhalb und unterhalb dieser Stelle war jedoch die Arterie 
vollkommen wegsam, auf eine kurze Strecke jedoch doppelt weiss 
eingescheidet. Von den zwei unteren kleineren Aneurysmen des- 
selben Arterienastes war keine Spur mehr zu entdecken. 

Im Laufe der nachsten Jahre entwickelte sich eine Retinitis pro- 
liferans int., die alle geschilderten Details vollkommen iiberwucherte. 


R. J., 18 years old, apothecary, noticed accidentally in the 
summer of 1890 that his right eye was totally blind. No cause 
could be found except scarlet fever which he had in his 4‘'* year. 
Repeated medical examinations revealed no abnormity. 

L. eye: M. = 1.75 D. V. = ®/6; ophthalmoscopically normal. 

R. eye: Movements of hand in ca. 1 m.; a narrow, wedge- 
shaped portion of the held was preserved below and outward. 

Refracting media cldar; the disc, however, is veiled and ap¬ 
pears like a light whitish-red vertical oval with rather indefinite 
outlines. The larger vascular trunks on the disc also appear in¬ 
distinctly outlined. Beyond the papilla all vessels, and especially 
the temporal ones, are distinct. The latter are accompanied by 
marked oedema in the outer layers of the retina and describe 
a large arc about the retinal center. The oedema along the upper 
retinal vessels is broader, more diffuse, more transparent and passes 
gradually over into the surrounding red; but above and outward 
in the picture it contracts to a large, continuous, white surface. 
The oedema along the lower temporal vessels shrinks to a nar¬ 
rower and correspondingly denser cord which terminates in a 
peg projecting into the vitreous at the level of the macula and 
about 3 papilla-diameters distant fromit. There are numerous small, 
generally oval, grayish-blue spots at the broadest part of this 
oedematous area (about 1 papilla-diameter broad) which ressemble 
shallow depressions in a hardened mass. The larger arterial trunks 
show no particular change; the smaller retinal arteries on the 
other hand a,re vuite particular. A branch of the sup. temporal 
artery traveling down and out, shows four red sac-like fofmations 
arranged in groups of two, a short distance apart. These struc¬ 
tures are 4—6 times as broad as the vessel and have a small 
central whitish-yellow spot (probably the reflex). They show 
neither lateral displacement nor pulsation. Beyond the further two 
appendages the artery continues its course with normal calibre and 
no disease of the walls. Numerous portions of the smallest, just 
perceptible, vascular twigs can be seen above the just-described 
vascular dilatations in the white area of retinal oedema. They are 
sitauted behind the plane of the larger vessels and terminate in 
round or club-shaped swellings. Similar and more variegated 
structures are above and to the outer side of the macula. The 


latter is in this case represented by a large triangular black pig¬ 
ment spot. The surrounding fundus is red of varying intensity; 
from a grayish-red about the retinal center to a clay-colored yellow¬ 
ish-red along the indistinct lower temporal vessels. 

The fundus external to and between the macula and the 
upper end of the above-described projection, is thickly covered 
with round, fusiform, spiral, etc. formations of varying size. They 
are partly light red, partly dark brownish-red; some have a light 
yellowish-white spot or streak. In general they are sharply out¬ 
lined, though some are indistinct. Some of these structures are 
continuations or appendages of the smallest vessels, though are in 
no connection with the larger retinal vessels. Most of these struc¬ 
tures are presumably aneurysms in various degrees of development; 
on the other hand some ressemble hemorrhages undergoing ab-^ 
sorption, others appear to be varicosities. 

This is suggested by the fusiform dilatations of a branch of 
the inf. temporal vein just below several aneurysmal dilatations 
of a small branch of the temporal artery. 

In addition to the large pigmented spot in place of the ma¬ 
cula lutea, there are two smaller, fusiform black pigment-patches 
below the retinal center. Two small, square, sharp-edged spots 
of a brilliant dark red color cannot be reproduced in the pic¬ 
ture; one is situated very near the upper and outer margin of 
the white projection, the other in the midst of the above-described 
structures (evidently blood-crystals). 

In March 1891 the two upper and larger aneurysms ruptured; 
a large hemorrhage of more than a papilla-diameter in extent re¬ 
sulted. In three months patient was seen again and the hemor¬ 
rhage was absorbed. Two small shining sacs to the right and 
left of the vessel occupied the place of the two upper aneurysms; 
they were smaller and connected by a very narrow white streak 
which seems to interrupt the blood-current. Above and below, the 
artery is completely patent, though for a short distance it carries 
a double white sheath. The two lower and smaller aneurysms of 
the artery have entirely disappeared. 

In the course of the following year a retinitis proliferans 
int. developed, spreading over all the above-described details. 















C. Tab.IW. 




Aneu^-smata miliaria arteriarum retinae. 





















c. 

Erkrankungen der Netzhaut. 
Diseases of the Retina. 


Tab. XXV. 


RETINITIS PIGMENTOSA. 





C. Tab. XXV. 

Retinitis pigmentosa ociili dextri. 


K. T., 39 Jahre alt, Metzgerswitwe, ist das vierte unter 
sieben Kindern nicht blutsverwandter Eltern. Der Vater ist mit 
49 Jahren an den Blattern, die Mutter, ca. 58 Jahre alt, an unbe- 
kannter TJrsache gestorben. Von den Kindern: 6 Madchen und 
1 Knabe, litten nur 2 Madchen (das 4. und 5. Kind) nach Angabe 
der Patientin schon seit friihester Jugend an Nachtnebel. Bei der 
Patientin wurde schon im 10. Lebensjahre Ketinitis pigmentosa 
konstatiert. Sie hat 8 Kinder geboren: 6 lebende, 2 Frlihgeburten. 
Von alien Kindern sind nur 2 am Leben geblieben mit vollkommen 
gesundeh Augen. 

Funktionelle Priifung und Spiegelbild beiderseitsgleich stammen 
vom Februar 1895. 

Beiderseits: E. S ^/i 2 , 

0.4 Schweigger auf 15 cm. 

Enorme konzentrische Einengung des Gesichtsfeldes: oben 8°, 
unten 16®, 12® einwarts, 10® auswarts. Farbenperception normal. 

Rechtes Auge: Kleine, strahlige hintere Polarkatarakt. Einzelne 
zarte, fadenformige Glaskorpertriibungen in den hintersten Schichten. 

Der Sehnerv hebt sich als ein hellgrau-rotes, fast schmutzig- 
weiss erscheinendes, stehendes Oval von etwas triibem, wachs- 
artigem Glanze nicht scharf von den ihn umgebenden sklerotischen 
Aderhautgefassen ab. Wenn auch schwer, so ist aber doch mit 
Sicherheit ein Bindegewebsring um den ganzen Optikus nachweis- 
bar. — Aus der zentralen, weissen Gefasspforte entspringen die 
fadendiinnen, grosseren Netzhautgefasse. Sie verlaufen meist ge- 
streckt, haben keinen Reflexstreifen und zeigen keine Wanderkrank- 
ung, geben aber nur ausserst sparliche, seitliche Aste ab. Kleinere 
Xetzhautgefasse sind iiberhaupt, sowohl um den Sehnerv als in 
der aussersten Peripherie, nur in sehr beschrankter Zahl aufzufinden. 

Die charakteristischen Veranderungen bieten die aquatorialen 
und peripheren Partieen des Hintergrundes. In einem liber den 
ganzen Fundus gleichmassigen Abstand von 4—5 Papillenbreiten 
vom Sehnerv beginnt eine Zone von Pigmentinvasion in die Netz- 
haut, die bis in die ausserste Peripherie sich fortsetzt: ein form- 
licher Pigmentgiirtel, der sich um die Peripherie des Hintergrundes 
legt. Nur einzelne Pigmentformen haben bereits die inneren Grenzen 
desselben durchbrochen und schieben sich in die noch pigment- 
freien Partien des Hintergrundes herein. Die Form des Pigments 


zeichnet sich durch eine gewisse Zierlichkeit aus: man stosst auf 
lange Pigmentfaden, im Allgemeinen radiar gegen den Sehnerv 
verlaufend, da und dort winklig geknickt und an der Knickungs- 
stelle punktformig angeschwollen oder mehr minderlange seitliche 
Zweige, oft formliche Pigmentgabeln bildend. Regellos zwischen 
diesen Pigmentformen zerstreut, sehr oft aber ihit langen Faden 
mit ihnen im Zusammenhang stehend gewahrt man zahlreiche, 
spinnenzellenartige Pigmentherde mit zahlreichen langen und kurzen 
Auslaufern, die oft formliche Pigmentnetze mit regellosen Maschen 
bilden. Nach oben innen, ca. 2 papillenbreit vom Sehnerv, scheint 
ein verdlinntes Netzhautgefass direkt in eine Pigmentgabel iiber- 
zugehen. 

In der aussersten Peripherie des Hintergrundes iiberwiegen 
die massigeren, verastelten Pigmentformen, sodass die ZAvischen- 
raume zwischen einzelnen Pigmentherden dadurch kleiner werden. 
tiber den ganzen Fundus ist das Gewirr der Aderhautgefasse sicht- 
bar. In nachster Nahe des Sehnervs umschliessen sie graue oder 
graurotliche, weiter gegen die Pigmentzone zu rote Inseln. Nur 
um die durch ein gleichmassig diffuses Rot gekennzeichnete Macula 
sind Aderhautgefasse nicht sichtbar. Ein grosser Teil der Chorioideal- 
gefasse zeigt nicht bloss innerhalb des ganzen Pigmentgiirtels, 
sondern auch in den pigmentfreien Zonen des Hintergrundes, 
namentlich aber um den Sehnerv herum hochgradige, pathologische 
Veranderungen. Sie erscheinen teils gruppenweise in gelbliche 
Oder gelblichweisse Strange verwandelt oder ein einzelnes Gefass 
zeigt in einer langen Ausdehnung seines Verlaufes zwischen ge- 
simden Aderhautgefassen gelblichweisse Wandungen. 

Man trifft zahlreiche Stellen, an denen sklerotische Gefass- 
scheiden fast plotzlich in ein normales rotes Aderhautgefass liber- 
gehen. Eine auffallende Erscheinnng ist der Umstand, dass auch 
wieder heerdweise und vor den grossen Aderhautgefassen gelegen 
ganz zarte eben wahrnehmbare rote Gefasschen auftreten, die zahl¬ 
reiche Anastomosen zu einander abgeben und dadurch ein torm- 
liches Netz zierlichster Gefasse bilden, offenbar Ubergangsge- 
fasse oder Aderhautkapillaren, die infolge der Sklerosierung der 
grosseren Aderhautgefasse kollateral starker ausgedehnt sind. Vom 
Sehnerveneintritt nach oben innen und innen erscheint der Hinter- 
grund ausgesprochen grob rotgekornt als Ausdruck dafiir, dass hier 
die Pigmentepithelien offenbar in Zerfall sind. 


K. T., 39 years old, widow of butcher, is the fourth among seven 
children of parents not related by blood. The father died of 
small-pox at 49; the mother of unknown cause when about 58. 
Of the children, 6 girls and 1 boy, only 2 girls (the 4 and 5 child) 
according to the patient have suffered from night-blindness since 
early youth. In the case of the patient retinitis pigmentosa was 
diagnosticated in her 10 year. She has given birth to 8 children: 
6 living, 2 premature. Of all children only 2 have remained alive 
with normal eyes. 

The functional examination and ophthalmoscopic image coere 
made in Feb. 1895. 

On both sides: E. V. = ^/i 2 . 

0,4 Schweigger in 15 cm. 

Enormous concentric limitation of field; sup.: 8®, inf.: 16®, 
int.: 12®, ext.: 10®. Color-vision normal. 

Right eye: Small, radiate post, polar cataract. Several deli¬ 
cate, thread-like opacities in the posterior part of the vitreous. 

The papilla appears as a light grayish-red, almost dirty-white, 
vertical oval of rather a cloudy waxy lustre, and is not in sharp 
contrast to the surrounding sclerosed choroidal vessels. Though 
indistinctly, a connective tissue ring can be seen without doubt to 
surround the disc. — Large thread-like retinal vessels arise at 
the central, white vessel-entrance. They usually pursue a straight 
course, with no reflection and no disease of their walls, and give 
off very few lateral branches. Small retinal vessels are in general, 
as well about the disc as in the periphery, only to be seen in 
small numbers. 

The characteristic changes are presented by the equatorial 
and peripheral regions of the fundus. At a uniform distance of 
4—5 papilla-diameters from the disc, throughout the entire fundus, 
a zone of pigment-invasion in the retina commences and continues 
to the furthest periphery; a complete pigment-belt in fact, embra¬ 
cing the periphery of the fundus. A few of the pigmentary deposits 
have broken through the inner limit and project into the non- 
pigmented parts of the fundus. The outlines of the pigment show 


a certain grace of form. There are long pigment-threads, in general 
running radially to the papilla, occassionally bent at an angle, 
where they appear to be somewhat swollen or to give off more or 
less long, lateral branches sometimes veritable forks of pigment. 
Many pigment-deposits, ressembling spindle cells, lie irregularly 
scatterred among these pigment-forms, to which they often are 
connected by long threads. They also have many long and short 
branches which form nets of pigment with irregular meshes. 
Above and internally, at about 2 papilla-diameters from the disc 
a contracted retinal vessel seems to be directly continuous with 
' a pigment-fork. 

In the outer periphery of the fundus the massive, branching 
pigment-forms preponderate; the spaces between the various pig¬ 
ment-deposits thereby appear smaller. The entanglement of choroi¬ 
dal vessels is everywhere visible. They enclose gray or grayish- 
red islands about the papilla, while more externally near the 
pigmentary zone the islands are red. Only about the macula, 
which appears as a diffusely red area, are choroidal vessels not 
visible. A large part of the choroidal vessels present marked 
pathological changes in the parts of the fundus internal to the 
pigment-belt, especially about the disc, as well as in the non- 
pigmented regions. They appear changed in groups to yellow or 
yellowish-white bands, or a single vessel shows yellowish-white 
walls for a long distance of its course between healthy choroidal 
vessels. 

A sclerosed vascular sheath can frequently be seen suddenly 
to change to a normal red choroidal vessel. A striking appearance 
is the presence of delicate, hardly perceptible, minute vessels lying 
in groups and in front of the large choroidal vessels. With their 
numerous anastomoses they form a network of tiny vessels; 
they are probably transitional vessels or capillaries which have 
become collaterally distended subsequent to the sclerosis of the 
larger choroidal vessels. Above internally and internally to the 
papilla the fundus appears roughly granulated in red, presumabl}^ 
signifying the destruction of the pigmented epithelium. 







Oeller, Ophihalmosimpwcher Atlas. 


f. Tab. ME 











D. 

Erkrankungen der Aderhaut. 
Diseases of the choroid. 


Tab. IV. 


GHORIO-RETINITIS. ATROPHIA NERVI OPTICI. 




D. Tab. IV. 

Chorio-Retinitis. Atrophia nervi optici oculi dextri. 


N. A., 30 Jahre alt, Maurersfrau, von ganz gesunden Eltern 
stammend, hat als Kind Scharlach und Masern durchgemacht. Ihre 
hochgradige Kurzsichtigkeit machte sich schon wahrend ihres Schul- 
besuches in ausserst storender Weise geltend. 

In ihrem 18. Jahre wurde sie von einer Gehirnentziindung 
befallen, dieeinen 18 wochentlichenSpitalaufenthalt notwendig machte. 
Erst mit ihrem 20. Jahre wurde sie menstruiert. Ein zwei Jahre 
darauf erfolgter Abortus hatte lang dauernde Schwachezustande zur 
Folge. Ihre im 23. Jahre eingegangene Ehe blieb bisher kinderlos. 

Nach einem im Herbste 1892 iiberstandenen Magenleiden trat 
im Winter desselben Jahres, fast iiber Nacht, eine ganz bedeutende 
Abnahrne des Sehvermogens beider Augen ein, urspriinglich ohne 
Storung des Allgemeinbefindens, bis spater auch heftige Kopf- 
sphmerzen an Stirn und Schlafe sich dazu gesellten. Nach zwei 
Monaten stellte sich auf dem linken Auge das Sehvermogen teil- 
weise wieder her, wahrend das rechte Auge fast vollkommen er- 
blindete. Nach 3jahrigem relativem Wohlbefinden trat im Juni d. J. 
eine ziemlich betrachtliche Heiserkeit ein. 

Eine am 16. IX. 96 vorgenommene interne Untersuchung ergab: 

Linke Lungenspitze verkurzt; auf der ganzen linken Lunge 
katarrhalische Gerausche; Parese der Muse, thyreo-arytanoid. int., 
Schwellung des rechten Taschenbandes, Injektion beider Stimm- 
bander und Verdickung des rechten Stimmbandes nahe der vorderen 
Commissur. Herz, Mere, Nervensystem normal; fiir Lues keine 
Anhaltspunkte. Interne Diagnose: Phthisis pulm. et laryngis. 

Die funktionelle Priifung und das ophthalnioskop. Bild stammen 
vom Ende Januar 1896. 

Linkes Auge: iibermittelweite Pupille; trage Reaktion. M. = 
— 10 Dioptr., S. ^/i8, N. 3 auf 9 Ct. miihsam. 

Rechtes Auge: S = 0; reaktionslose Pupille; leichter Strabis¬ 
mus convergens. 

Der Augenspiegelbefund zeigt auf beiden Augen nur graduelle 
V erschiedenheiten. 

Rechtes Auge: 

Der Sehnerveneintritt stellt ein helles, unbestimmt contouriertes 
vertikales Oval dar; die temporale Halfte erscheint in einem warmen 
grauweissen Farbentone, der in der nasalen Halfte in ein blendendes' 
Weiss iibergeht. Wahrend die obere, innere und untere Grenze 


vollkommen verschwommen erscheint, ist nach aussen der Skleral- 
ring, wenn auch undeutlich, sichtbar. 

Nach der nasalen Seite sieht der Sehnerv wesentlich ver- ■ 
breitert aus dadurch, dass ohne merklichen Grenzsaum ein Haufen 
schmaler, weisslicher, meist vertikal verlaufender Strange (sklero- 
tische Aderhautgefasse) sich ansetzt. Trotz der star ken Vergrosse- 
rung des aufrechten Bildes im myopischen Auge sind Arterien wie 
Venen bedeutend verengt, ohne Wanderkrankung und ohne Reflex- 
streifen. 

Der Sehnerv bietet also die Erscheinungen der sog. retini- 
schen Atrophie. Der Grand fiir diese sekundare Affektion des 
Sehnervs liegt in einer Entzundung der inneren Schichten der Ader- 
haut. In geringer Ausdehnung nach innen, oben und aussen, in 
grosserer Ausdehnung aber nach unten vom Sehnerv fehlt das 
Pigmentepithel, sodass das Stroma der Aderhaut bios liegt. Wah¬ 
rend nun nasalwarts, namentlich aber temporalwarts vom Sehnerv 
die Intervascularraume scharfer gezeichnet und dunkel grauschwarz 
erscheinen, sind die Gefasszwischenraume, besonders nach abwarts 
vom Opticus, heller, graugelblich, unbestimmt begrenzt (Zerfall der 
pigmentierten Stromazellen). Nach dieser Richtung fehlen entweder 
Chorioidealgefasse und an ihrer Statt sieht man gelblich-weisse, 
nicht scharf begrenzte Strange, oder die Aderhautgefasse sind ver- 
diinnt und von gelblich-weissen Scheiden begleitet. Dadurch er¬ 
scheint der Hintergrund nach abwarts vom Sehnerv ganz hell 
gefleckt. Nirgends aber sind weisse, die Sclera blosslegende Stellen 
in der Chorioidea oder Pigmentschollen zu sehen. 

Die Einscheidung der Aderhautgefasse ist eine Erscheinung, 
die iiber den grossten Teil des Augenhintergrundes verbreitet ist. 
Selbst die grossten Aderhautgefasse, so eine auffallend nahe dem 
Sehnerveneintritt nach unten innen austretende Wirbelvene, sind 
von hellgelblichrothen, schmalen, aber nie scharf contourierten Streifen 
begleitet. Dieses ophthalmoskopische Symptom wird in seiner Deut- 
lichkeit nur einigermassen beeintrachtigt in jenen Partien des Hinter- 
grundes, in welchen dieser rot und das die Gefasse deckende Pig¬ 
mentepithel erhalten ist, wie an den macularen Partien. Aber selbst 
an diesen Stellen gewahrt man hinter dem Pigmentepithel zwischen 
den dunkleren, unbestimmt begrenzten Gefasszwischenraumen hellere, 
gelb-rotliche, verwaschene Saume langs der Aderhautgefasse. 


N. A., 30 years old, wife of a mason, of healthy parentage, 
had scarlet fever and measles when a child. She was troubled 
with a high degree of myopia in her early school years. In her 
18*** year she was taken ill with meningitis and remained in a 
hospital for 18 weeks. Menstruation commenced in her 20*** year. 
Two years later she had an abortion from which she recovered 
very slowly. She married when 23 and has had no children. 

In the fall of 1892 she suffered from gastritis. In the winter 
of that year a decided diminution of vision in both eyes set in, 
almost over night. A1 first her general health remained good, 
later she had severe pain in the forehead and temple. After 
2 mouths the vision in the right eye partially returned, but the 
left eye became totally blind. During 3 years patient enjoyed 
fairly good health; in June of this year a rather severe hoarseness 
began. 

On Oct. 16, 1896 a physical examination showed: apex of 
left lung retracted; over the entire left lung catarrhal sounds; 
paresis of the int. thyro-arytenoid, swelling of the right false 
vocal cord, both vocal cords are congested and the right one is 
thickened near the ant. commissure. Heart, kidneys and nervous 
system are normal; no evidence of syphilis. Medical diagnosis: 
Tuberculosis of lungs and larynx. 

The functional examination and the ophthalmoscopic drawing 
were made in the end of January 1896. 

Left eye:- dilated pupil, sluggish. M = —10 D. V = “/is, 
N 3 in 9 cm, slowly. 

Right eye: V = 0, immovable pupil; slight strabismus con¬ 
vergens. 

The ophthalmoscopic images of the two eyes differ only 
in degree. 

Right eye: 

The disc is a bright, ill defined vertical-oval, the temporal 
half is deep grayish-white in color,' the nasal is shining white. 


The upper, inner and lower borders are. indistinct, to the outer 
side the scleral ring can just be seen. 

In a nasal direction the papilla appears enlarged owing to 
a contiguous collection of narrow, white strands, running usually 
in a vertical direction (sclerosed choroidal vessels). The arteries 
and .veins are decidedly contracted notwithstanding the great en¬ 
largement of the upright image in a myopic eye; they show neither 
disease of the walls nor reflex streaks. 

Thus the papilla presents the appearance of a so called 
retinal atrophy. The reason for the secondary affection of the 
disc is the inflammation in the inner layers of the choroid. The 
pigment epithelium is wanting to a slight extent in the inner 
upper and outer vicinity of the disc, but to a greater extent in the 
lower, and the stroma of the choroid is laid bare. The intervas- 
cular spaces to the nasal and especially to the temporal side of 
the disc are well defined and grayish-black in color, elsewhere 
and particularly below the disc they appear paler, grayish-yellow 
and not sharply outlined (degeneration of the pigmented stroma- 
cells). In the latter region the choroidal vessels are either wanting 
and replaced by yellowish-white indistinct strands or the choroidal 
vessels are diminished and accompanied by yellowish-white sheaths. 
On this account the fundus below the optic nerve appears brightly 
mottled. No white patches of choroidal atrophy and no accumu¬ 
lations of pigment can be seen. 

The vagination of the choroidal vessels appears throughout 
the greater part of fundus. Even the largest choroidal vessels, 
as for example the vortex vein situated below and inwards and 
unusually near the disc, are accompanied by light yellowish-red, 
narrow, but indistinctly outlined stripes. This ophthalmoscopic 
appearance is less clear in places where the fundus is red and 
where the pigment epithelium is preserved, as in the macular 
region Even in these places paler, yellowish-red, indistinct borders 
can be seen along the choroidal vessels between the dark, ill- 
defined intervascular spaces behind the pigment epithelium. 











Oeller, OphthabnnskapwAcr Allas. 


D. Tab. m 





Chorio-Keliiiitis. Atrophia neivi oplici. 


Vcjn. ^T.F.Bei'grnanrtj ’WtesbaAen. 







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D. 

Erkrankungen der Aderhaut. 
Diseases of the ehoroid. 


Tab. XI. 


STAPHYLOMA POSTICUM ANULARE. CHORIOIDITIS CENTRALIS. 




D. Tab. XL 

Staphyloma posticum anulare. Chorioiditis centralis oculi dextri. 


F. M., 54 Jahre alt, Schuhmacherswitwe, war schon vor dem 
Schulbesuche hochgradig kurzsichtig. Hire Eltern und fiinf 6e- 
schwister batten aber vollkommen normale Augen. Von ihren 
vier Kindern ist nur ein lljabriger Sohn schwach kurzsichtig. Vor 
ihrer Verheiratung Dienstmadchen will sie durch ihre Kurzsichtig- 
keit in ihrer Arbeitsfahigkeit nie besonders beeintrachtigt gewesen 
sein. Erst mit ihrem 40. Lebensjahre griff sie zu einer Brille 
(— 14 Dioptr.). Wahrend sie in friiheren Jahren fur die Nahe 
ein vorziiglicbes Sehvermogen besessen haben will, trat vor zwei 
Jahren eine bedeutende und rasch zunehmende Verschlechterung 
des Sehvermogens und ein sehr storendes Krummsehen, namentlich 
des rechten Auges ein, wesswegen Patientin am 31. III. 96 augen- 
arztliche Hilfe aufsuchte. 

Linkes Auge: 

M. — 18 D. S. ®'36, Nieden 1 auf 5 Ct. 

Medien rein; vertikal-ovaler Sehnerv; Staphyloma posticum 
anulare: nasalwarts nur einen schmalenweissenStreifen, nach aussen 
aber eine fast papillenbreite, scharf geranderte, blendend weisse 
Sichel darstellend. An Stelle der Macula lutea ein grosser, runder, 
graubrauner, wie poros aussehender Fleck; kleine gelblich weisse 
Streifen in seiner nachsten Umgebung. 

Rechtes Auge: 

M. — 14 D., S. ^/se, Nieden 11 auf 5 Ot. muhsam. 

Einzelne punkt- und fadenformige Glaskorpertriibungen. 

(Aufrechtes Bild mit dem Planspiegel gezeichnet und gemalt). 

Infolge der starken Vei’grosserung im myopischen Auge er- 
scheint der vertikal-ovale Sehnerv auffallend gross, nach alien 
Richtungen scharf gerandert. Die nasale Halfte ist viel heller, 
weiss-rotlich, die temporale tiefer rosa-rot. Langs des temporalen 
Opticusrandes zieht sich ein schmaler, tief grauroter Schattenton 
bin als Beweis des Bestehens einer seichten Vertiefung hinter dem- 
selben. Die in den Sehnerv eintauchenden Venen erscheinen der starken 
Vergrosserung entsprechend auch breiter, aber ohne Reflexstreifen. Die 
Arterien dagegen, ebenfalls ohne Reflexstreifen, weisen eine absolute 
Yerkleinerung Hires Kalibers auf. Namentlich die kleineren Netz- 
hautgefasse zeichnen sich durch einen auffallend gestreckten Ver- 
lauf aus. Nasalwarts ist der Sehnerv von einem blendend weissen. 


schmalen Streifen, dem Skleralringe begrenzt. Temporalwarts setzt 
sich aber an den Sehnerv eine ca. ^js papillenbreite, gleichmassig 
weisse Sichel an, die durch eine graue Contour von der Um¬ 
gebung ^bgesetzt ist. Erst auf diese Sichel folgt eine den Opticus 
in einer Ausdehnung von ^/2 Papillenbreite ringsum umgebende 
grau-weiss gefleckte, scharf geranderte, meist grauschwarz ein- 
gesaumte Flache, die nach unten innen vom Sehnerv nach einer 
leichten Einschniirung noch einen dreieckigen Fortsatz zeigt (im 
Bilde nur teilweise noch zu sehen). 

Die Flache weist das Licht stark reflektierende, weisse Streifen 
der verschiedensten Breite und Verlaufsrichtung auf: parallel ziehende 
und sich iiberquerende, die an chorioideale Gefassbahnen erinnern. 

Sie umschliessen zahlreiche grauliche Felder der mannig- 
fachsten Form und Grosse. Da und dort heben sich vom weissen 
Untergrunde noch erhaltene diinne Aderhautgefasse ab, entweder 
am Rande der weissen Flache scheinbar plotzlich unterbrochen, 
Oder ununterbrochen fiber denselben in das Rot des umgebenden 
Hintergrundes hiniiberziehend. 

Die Macula lutea und ihre nachste Umgebung bieten hoch- 
gradige Veranderungen. Gerade in der Netzhautmitte liegt hori¬ 
zontal ein biconvexer, schwarzer Pigmentherd von fast Papillen¬ 
breite, ein braunrotes Centrum umschliessend. Nach drei Seiten 
ist derselbe von einer grossen, scharfbegrenzten, diinnen, durch- 
sichtigen Blutlache umgeben. sodass man durch dieselbe hindurch, 
namentlich von unten herauf. hellere Streifen an den Pigmentherd 
heranziehen sieht. Am Rande der Blutung gehen diese Streifen 
in blendend weisse oder geblich-weisse Strange der verschiedensten 
Grosse fiber, die durch ihren meist parallelen Verlauf, die zahl- 
reichen Anastomosen und die graugelblichen Zwischenraume an 
sklerotische Aderhautgefasse erinnern. In einer grossen Ausdehnung, 
in welcher auch das Pigmentepithel fehlt, bedecken sie ringsum 
die Gegend der Netzhautmitte bis zu der den Sehnerv umschliessen- 
den weissen Flache heran. Sehr vereinzelte rote Aderhautgefasse 
heben sich von ihnen deutlich ab. 

Ausserhalb der geschilderten Veranderungen um Nerv und 
Macula erscheint der fibrige Hintergrund hellroth, wie der eines 
blonden Individuums, nur da und dort ein Aderhautgefass durch- 
schimmern lassend. 


F. M., 54 years old, widow of a shoemaker, was highly my¬ 
opic even before going to school. Her parents and her five brothers 
and sisters had healthy eyes. Of her four children only one 11 
year old boy is slightly myopic. Before her marriage she was 
a domestic and claims that her myopia did not interfere with her 
duties. She commenced to wear glasses (— 14 D.) in her 40 
year. Her near-vision in former years had always been excellent, 
but two years ago a decided and rapidly-increasing impairment of 
vision and a very annoying metamorphopsia set in, especially in 
the right eye, so that patient sought relief on March 31, 96. 

Left eye: 

M. — 18 D. V. ^/se, Nieden 1 in 5 cm. 

Media clear; disc vertically oval; staphyloma posticum annu¬ 
lare ; represented nasally by only a narrow white streak, externally 
by a sharply-outlined, brilliant-white crescent of almost the breadth 
of the disc. A large, round, grayish-bi’own spot, appearing per¬ 
forated, occupies the place of the macula lutea; it is immediately 
surrounded by small yellowish-white streaks. 

Right eye: 

M. — 14 D., V. ^36, Nieden 1 in 5 cm with difficulty. 

Several punctate and filiform opacities of the vitreons. (The 
plane mirror was employed in drawing and painting the upright 
image.) 

Owing to the great enlargement in the myopic eye, the ver- 
tically-oval papilla appears unusually large and sharply outlined 
in every direction. The nasal half is much brighter, whitish-red, 
the temporal deeper pinkish-red. There is a narrow, deep grayish- 
red shadow along the temporal margin of the disc signifying the 
presence of a shallow depression. The veins which outer the 
papilla appear broader, proportional to the great enlargement, but 
without reflex streaks. The arteries however, also without reflex 
streaks are diminished in calibre. The small retinal vessels in 
particular show a strikingly straight course. On the nasal side 


the disc is limited by the scleral ring, a shining, white, narrow 
streak; on the temporal side of the disc there is an evenly-white 
crescent of about Vs of a papilla in breadth distinguished by a 
gray outline from its surroundings. A grayish-white area com¬ 
pletely surrounds the disc and these structures to a distance of 
Va a papilla. It has a sharply-defined, grayish-black border and 
becomes constricted below and internal to the disc before giving 
off a triangular projection (only partly to be seen in the drawing). 

This area contains bright white streaks of the most varying 
breadth and direction; they are parallel or cross one another and 
ressemble choroidal vessels. 

They enclose many grayish patches of manifold form and 
size. In places their choroidal vessels that have been preserved 
can be seen they appear either to close suddenly at the border 
of the white area, or to continue their course without interruption 
into the surrounding red fundus. 

Extensive changes are to be seen at and about the macula. 
A horizontal, oval collection of black pigment occupies the center 
of the retina; it is almost of a papilla broad and contains a 
brovmish-red center. In three directions it is surrounded by a 
large, sharply-defined, thin transparent patch of blood, throngh 
which bright streaks can be seen passing, especially from below 
upwards, to the pigmented mass. At the margin of the hemor¬ 
rhage these streaks change into shining white or yellowish-white 
striae differing greatly in size and ressembling sclerosed choroidal 
vessels by their chiefly parallel course, their numerous anastomoses 
and the grayish-yellow intervascular spaces. They extend over 
as large area surrounding the centre of the retina and reaching 
the white surface about the disc. A few isolated choroidal vessels 
can be seen on this area free from pigmented epithelium. 

External to these changes about the disc and macula, the 
fundus appears light red like that of a blonde person and only 
here and there admits of a choroidal vessel to be seen. 








I 



Oeller, OphthahmskojnsAer Atlas. 


B.TahU: 



J OclJnr.jiiTix. 


StaplijloTiiaposticiiin anulare. Ckorioidiiis centralis. 




, 'WUsbaden,. 

























D. 


Erkrankungen der Aderhaut. 
Diseases of the ehoroid. 


Tab. XIV. 

SCLEROSIS VASORUM CHORIOIDEAE. ATROPHIA NERVI OPTICI. 




D. Tab. XIV. 

Sclerosis vasorum chorioideae. Atrophia nervi optici oculi dextri. 


B. G., 57 Jahre alt, Taglohner, von Kinderkrankheiten ver- 
schont gebheben, erlitt in seinem 28. Lebensjahre infolge eines 
schweren Sturzes eine GehirnentzUndung, die ihn 1^2 Jahre ans 
Bett fesselte. Schon seit dieser Zeit will Pat. eine Abnahme des 
Sehvermogens des linken Auges bemerkt haben, wahrend auf dem 
rechten Auge erst seit 4 Jahren eine gewisse Schwache sich fuhl- 
bar machte. 1872 machte er einen langdauernden, heftigen Magen- 
darmcatarrh, 1878 eine Brustfellentziindung und im Mai 1896 einen 
schweren Gelenkrheumatismus durch, der jedoch in atiologischer 
Beziehung nicht in Betraeht kommen kann, da die zu schildernden 
ophthalmoskopischen Veranderungen schon vor 4 Jahren constatiert 
wurden. 

Die sorgfaltigste interne Untersuchung konnte nicht die o-e- 
nngste Anomalie constatieren. 

Linkes Auge: 

Finger miihsam in V 2 Mt. 

Eechtes Auge: 

• 1 ^ + 2-75 Nieden 1. Ge- 

sicJitsield und Parbenperception normal. 

_ Ophthalmoskopischer Befund beiderseits nur graduell ver- 
schieden. 

Rechtes Auge: 

Sehnerv rund, scharf gezeichnet mit deutlichem Scleralring; 
aussere Halfte des Opticus weiss mit einera Stich ins Griinliche: 
in temporalen Halfte Fleckung der Lamina cribrosa deutlich 
sichtbar. Nasale Halfte des Sehnervs ebenfalls sehr hell, aber mit 
einem_ deutlichen rosaroten Anfluge; nirgends eine Niveaudifferenz. 
Arterien wie Venen bedeutend verdiinnt, ohne Wanderkrankung, 
zeigen deutliche Reflexstreifen; kleinere Netzhautgefasse sehr spar- I 


lich. Das auffallendste ophthalinoskopische Symptom ist ein Kranz 
entarteter Aderhautgefasse, der den Sehnerv direct umgibt. Nach 
unten und unten innen ist derselbe ca. 1 Papille breit, nach den 
anderen Richtungen ca. V* Papille breit. Die Chorioidealgefasse 
liegen hier vom Pigmentepithel entblosst nackt zu Tage. Die 
kleineren Aderhautgefasse scheinen ganz solide, weisse Strange 
darzustellen, wahrend an den grosseren Chorioidealgefassen ein cen¬ 
tral verlpfender, dunner, roter Paden beiderseits von einem weissen 
Saume eingescheidet ist von annahernd derselben Breite. Die weisse 
Einscheidung der Gefasse geht an der Grenze des Herdes oft ganz 
unvermittelt in ein normales, rotes Aderhautgefass iiber. Zwischen 
und auf den sclerosierten Gefassen liegen meist in ziemlicher Nahe 
des Opticus sparliche kleine, rundliche schwarze Pigmentklumpchen. 
Mach unten aussen vom Sehnerv erscheint ein kleines Nest von 
Aderhautgefasse!! heller wie die sie umgebenden Gefasse, rotlich- 
gelb, olferibar den Beginn der Gefasserkrankung darstellend. Zwei 
kleme Pigmentherde liegen dieser SteUe bereits auf. 

In der Gegend der Macula lutea stosst man auf einen grosseren 
und einen kleineren weisslichen Herd, einen Knauel vielfach ge- 
wund^er dunner Faden bildend. Einzelne von diesen erscheinen, 
vom Pigmentepithel entblosst, blendend weiss, andere dagegen 
vom Epithel noch bedeckt, weiss-rotlich. 

An einzelnen Stellen des grosseren Herdes ist das Pigment 
der Epithelschichte offenbar in Wucherung, da langs einzelner 
weisser Faden grauschwarze Samne sich hinziehen. Offenbar handelt 
es sich um eine scharf umschriebene Sclerosierung von Aderhaut- 
capillaren. 

In den iibrigen Partien des Hintergrundes, der das Bild aus- 
gesprochener Tafelung bietet, ist keine weitere Anomalie mehr zu 
constatieren. 


B. G., 57 years old, day-laborer, has had no disease of child¬ 
hood; in his 28“* year after a severe fall he was ill with meningi¬ 
tis and had to keep to his bed for 1^2 years. At that time, he 
noticed an impairment of the vision in the left eye, his right eye 
however did not seem to weaken until 4 years ago. In 1872 he 
suffered from a protracted, severe gastro-duodenitis, in 1878 he had 
pleurisy and in May 1896, severe articular rheumatism. This last 
disease cannot be regarded an etiological factor in the eye trouble 
as the ophthalmoscopic changes were recognised 4 years ago. 

A most thorough medical examination was unable to show 
the slightest anomaly. 

Left eye: 

Fingers in 1/2 m. with difficulty. 

Right eye: 

V =*/8, with + 1 D V 3 / 4 ; with + 2,75 Nieden 1. Field and 
color-sense normal. 

The ophthalmoscopic conditions of both sides differ only in 
degree. 

Right eye: 

The disc is round, sharply-outlined with a distinct scleral 
ring; the outer half is white with a tinge of green; in the tem¬ 
poral half the mottling of the lamina cribrosa is plainly visible. 
The nasal half of the disc also is very light in color, but with a 
distinct hue of pinkish-red; there is no difference in level. Arteries 
as well as veins are markedly contracted without disease of the 
walls, and present a distinct reflex-streak; there are very few 
smaller retinal vessels. The most striking ophthalmoscopic appear- | 


ance is a zone of degenerated choroidal vessels which immediately 
surrounds the disc. This lower-inner zone has breadth of almost 
fte papilla, in all other directions it is about 1/4 papilla broad. 
The choroidal vessels are exposed, owing to the absence of the 
pigment epithelium. The small choroidal vessels appear as solid, 
white cords; the larger choroidal vessels are converted into tbin | 
red threads bounded on each side by equally broad seams. The 
white-sheathed vessels at the limit of this area pass directly into 
normal, red choroidal vessels. A few, round deposits of black 
pigment are situated between and on the sclerosed vessels, chiefly 
in the proximity of the disc. A small collection of choroidal vessels 
is situated down and out from the optic nerve; it is reddish-yellow, 
somewhat lighter in color than the surrounding choroidal vessels, 
and evidently shows the beginning of vasculardisease. Two small 
pigment spots are to be seen in this area. 

In the region of the macula lutea there is a large and a 
small white area, composed of a group of tortuous white threads. 
Some of these, lacking the pigment epithelium, appear shining 
white, others however, where the epithelium is still intact, are 
whitish-red. 

A.t several places in the large area the pigment of the retinal 
epithelium is evidently in a hypertrophied condition and accompanies 
several white threads in the form of grayish black borders. Ob¬ 
viously, this is a case of sharply circumscribed sclerosis of choroidal 
capillaries. 

The remaining parts of the fundus, appear mottled and show 
no further anomaly. 














Oell^r, OphOialmoskopmher Atlas. 


1). Tab. XJK 





l<gl.Vhi^rers-I>r-Mkeretv:ir.Stii^ 











I 


0 







D. 

Erkrankungen der Aderhaut 
Diseases of the ehoroid. 


Tab. XVIII. 


TUMOR CHORIOIDEAE. 




D. Tab, XVIII. 

Tumor chorioideae oculi sinistri. 


E. M., 37 Jahre alt, Kaminkehrersfrau, erlitt am 16. September 
1894 einen Abortus mit ausserst heftigen Blutungen, von deren Eolgen 
sie sich nur sehr langsam erholte. Es ist das 7. Kind gewesen; 
3 Kinder sind innerhalb des ersten Lebensjahres an Magendarm- 
katarrh gestorben; 3 Kinder leben noch und sind gesund. Die Erau 
hat nach ihrer Angabe noch nie eine ernstere Erkrankung durch- 
gemacht. 

Seit dem Abortus will sie nun auf dem linken Auge schlechter 
sehen. Bei ihrer Vorstellung im August 1895 wurde konstatiert: 

R. Auge: E. S. ; Nieden 1 in 25 cm. Ophth. Befund negativ. 

L. Auge: Etwas trage Pupillarreaction. 

E. S ®/36; Nieden 7 in 16 cm. 

Die Gesichtsfeldaufnahme ergiht ein annahernd nierenformiges, 
absolutes Skotom um den blinden Fleck: von 12“—40“ IX., nach 
oben von XI 20 “—X 50 “, nach unten von VII 15“—X 30 “. 

T normal. 

Das hervorragendste Symptom ist eine bedeutende Hervorwolb- 
ung der Netzhaut: ein Netzhautbuckel gerade oberhalb des oberen 
Sehnervenrandes. 

Die Niveaudifferenz zwischen Opticus und der am starksten 
prominenten Stelle der Retina betragt 6 D. 

Der Breitedurchmesser der Ablosung' uberwiegt den Hohen- 
durchmesser. 4:3 Papillenbreiten. 

Die abgeloste Netzhaut zeigt nach keiner Richtung eine scharfe 
Demarkationslinie, nur nach oben innen besteht eine scharfere 
leicht grauschwarz pigmentierte Grenzcontour. Die hiigelige Her- 
vorwolbung der Netzhaut flacht sich ganz allmahlig nach alien 
Richtungen ab. Ein hellgraulich-weisses Netzhautodem setzt sich 
namentlich langs des inneren Sehnervenrandes noch eine Strecke 
nach ahwarts langs der nasalen Gefasse hin fort. 

Die vorgebauchten Netzhautpartieen erscheinen eigentiimlich 
gefleckt; helle, weissliche Ziige, bogenartig eingezogene Streifen, 
die teils unbestimmt, teils scharfer kontouriert, im grossen Ganzen 
concentrisch zum oberen Optikusrand verlaufen, wechseln mit hell- 


graurotlichen und gelblichen Inseln ab; stellenweise erinnert das 
Bild an sich schlagende Wellen. Die Netzhaut liegt fest auf 
ihrer Unterlage auf; nicht das geringste Erzittern ist bei den 
verschiedenen Bewegungen des Auges nachweisbar. 

Bei Einstellung auf diesen Netzhauthugel erscheint der Seh- 
nerv mit ganz unbestimmten Contouren als eine rundliche, rotliche 
Masse mit ausgesprochener centraler, weisser Gefasspforte. Sein oberer 
Rand fallt in einen ziemlich breiten, braunrotlichen Schatten, der 
zwischen den oberen Sehnervenrand und die sich vorwolbende Netz: 
hautpartie sich lagert. Die aus der oberen Opticushalfte aus- 
tretenden Gefasse erscheinen unbestimmt, verschmalert, werden 
aber beim Anstieg auf die vorgebauchten Netzhautpartieen plotz- 
lich breiter, scharfer contouriert, mit markanten Reflexstreifen ver- 
sehen und heben sich in der ganzen Ausdehnung der losgelosten 
Netzhaut besonders scharf vom weisslichen Untergrund ab; jenseits 
derselben verlieren sie wieder ihre Reflexstreifen und die Scharfe der 
Contouren. Nirgends zeigen sie in ihrem Verlaufe eine abnorme 
Schlangelung oder teilweise Unterbrechung. 

Die aus der unteren Sehnervenhalfte entspringenden Gefasse 
erscheinen hei Einstellung auf den Opticus vollkommen verwaschen. 

In einer Entfernung von ca. 2 Papillenbreite gewahrt man 
oberhalb des oberen Sehnervenrandes drei grauschwarze, kleine 
Pigmentflecke, wie unterhalb der Netzhaut gelegen. Irgend welche 
weitere Details, Aderhautgefasse oder Gefasse eines Tumors, sind 
unter der vorgebauchten Retina nicht zu konstatieren. 

Die buckelartige Hervorwolbung der Netzhaut, das Fehlen 
des Netzhautzitterns, der wahrend einer monatelangen Beobachtungs- 
dauer constante Sitz der Netzhautablosung gerade oberhalb des 
Sehnervs, das typische Verhalten der Netzhautgefasse diirften aber 
die Diagnose eines Chorioidealtumors auch sichern, trotzdem die 
Enucleation verweigert wurde. 

Die interne Dntersuchung der Patientin ergab weder am 
Neryensystem noch an Lunge, Herz und Nerven irgendwelchen 
pathologischen Befund. Der Hamoglobingehalt des Blutes betragt 
80 “/o; mikroscopisch ist im Blute nichts Pathologisches nachweisbar. 


E. M., 37 years old, wife of a chimney-sweep, had an abortion 
on Sept. 16, 1894 with a very severe hemorrhage, from which she 
recovered slowly. It was the 7th child; 3 children died from gastro- 
duodenitis within the first year; 3 are alive and healthy. Ac¬ 
cording to her own statement she has never been severely ill. 

She thinks that sight in the left eye has not been so good 
since the abortion. The following was the condition found on her 
first visit in Aug. 1895. 

R. eye: E. V. = Vi; Nieden 1 in 25 cm. Ophth. exami¬ 
nation negative. 

L. eye: Pupil reacts somewhat sluggishly. E. V. = ^/se; 
Nieden 7 in 16 cm. 

Examination of the visual field shows a kidney-shaped abso¬ 
lute scotoma about the Wind spot; of 12“—40“ IX, above XI 
20“-X50«, below VII 15“ —X30“. 

T normal. 

The most striking appearance is a decided protrusion of the 
retina: a retinal hump just above the upper discal margin. 

The papilla and the most prominent part of the retina show 
a difference in level of 6 D. 

The breadth of the detachment is greater than its height. 
4 : 3 papilla-diameters. 

The detached retina nowhere shows a sharp line of demar¬ 
cation, only above and internally is there a distinct light grayish- 
black pigmented border. The irregular elevation of the retina 
descends gradually in every direction. A light grayish - white 
retinal oedema is continued along the inner margin of the disc and 
then along the nasal vessels. 

The protruding retinal parts appear peculiarly spotted; light- 
colored, whitish outlines, curved streaks partly indistinct, partly 
well defined, in general airanged concentrically to the upper papil¬ 
lary margin alternate with light grayish-red and yellow islands; 


in places recalling the picture of breaking waves. The retina 
adheres firmly to its support; not the slightest trembling is noti¬ 
ceable during movements of the eye. 

In the focus for this retinal elevation, the papilla appears 
as a round, red mass, indistinctly outlined, with a marked central, 
white vascular funnel. Its upper margin lies within a rather 
broad, brownish-red shadow between the upper papillary border 
and the protruding part of the retina. The vessels emerging from 
the upper half of the disc appear indistinct and contracted, but 
on their ascent over the prominent parts of the retina they suddenly 
become broader, more sharply outlined and show a marked reflex 
streak. Throughout the detached part of the retina the vessels 
remain in sharp contrast to the white back ground beyond this 
they again lose their reflection and sharpness of outline. In no 
part of their course do they show an abnormal tortuosity or par¬ 
tial interruption. 

The vessels emerging from the lower half of the disc appear 
quite indistinct during adjustment for the disc. 

At about 2 papilla-diameters above the disc there are 3 small 
grayish-black spots of pigment, which appear to lie below the 
retina. No further details, like choroidal vessels or vessels of a 
tumor, are to be seen on the prominent part of the retina. 

The hump-like protrusion of the retina, the absence of trem¬ 
bling, the position of the retinal detachment remaining constant 
just above the disc during a period of observation lasting one 
month, and the typical course of the retinal vessels confirm the 
diagnosis of a tumor of the choroid, though the enucleation was 
refused. 

The medical examination of the patient failed to show any 
affection of the nervous system or of the lungs, heart and kidneys. 
The blood contains 80 “/o haemoglobin; the microscopic examination 
of the blood is negative. 








Oeller, Ophthdtnwslmpischer Atlas. 


I). Tah.Xm. 





Tirnior clioiioideae. 

















D. 


Erkrankungen der Aderhaut. 
Diseases of the choroid. 


Tab. XIX. 


RUPTURA CHORIOIDEAE. 




D. Tab. XIX. 

Ruptura chorioideae oculi sinistri. 


Frau M. K., 37 Jahre alt, Biiglerin, friiher nie augenleidend, 
stiess sich am 9. VII. 92 nachts mit aller Gewalt mit dem linken 
Auge an die Xante einer offenstelienden Thiire. 

Heftige Schmerzen und eine bedeutende Herabsetzung des 
Sehvermogens des verletzten Auges veranlassten die Patientin, am 
12. VII. augenarztliche Hilfe zu suchen. 

Es wurde eine grosse, frisclie subretinale Blutung zwischen 
Sehnerv und Macula lutea und eine retinale Blutung nach oben 
innen vom Sehnerv constatiert. ISTach rascher Resorption der Ha- 
morrhagien entwickelte sich das Bild, das mit unwesentlichen An- 
derungen von dort an sich gleich blieb. 

Funktionelle Prufung und Augenspiegelbild stammen aus dem 
Jahre 1893. 

Rechtes Auge: E. S. Vi Jag. 1 in 20 Ct. 

Linkes Auge: E. S. Jag. 3 in 20 Ct. muhsam. 

Gesichtsfeld weist keinen Defekt auf. 

Das charakteristische ophthalmoscopische Symptom ist eine 
breite, weisse, teilweise pigmentierte sichelformige Figur zwischen 
temporalem Sehnervenrande und Macula lutea mit spitzen, lang 
ausgezogenen Enden. Sie verlauft concentrisch zum oberen, aus- 
seren und unteren Opticusrand und zeigt in der grossten Ausdeh- 
nung ihres Verlaufes eine ziemlich gleiche Breite (^/s Papillenbreite). | 


Sie ist scharf gerandert und blendend weiss; nur ihre langen spitzen 
Auslaufer erscheinen gelbrotlich und heben sich demnach nur schwer 
vom Rot des umgebenden Hintergrundes ab. An Stelle des Uber- 
gangs des oberen Endes der weissen Sichel in ihren Auslaufer 
sitzt ein grosser, schwarzer Pigmenthaufen, von welchem einzelne 
Pigmentfaden ausstrahlen. Sehr viel Pigment ist auch in den 
unteren zwei Dritteln der weissen Sichel angehauft, stellen- 
weise fast ihre ganze Breite deckend, stellenweise weisse Inseln 
freilassend. Ihr ganzer innerer Contour ist von einem schwarzen 
Pigmentstreifen gebildet. Langs des grossten Teils des inneren 
Randes der Sichel zieht sich ein heller gelbroter Saum hin, wahrend 
der aussere und innere Rand des oberen Sichelansatzes graurot- 
lich eingesaumt ist. 

Aderhautgefasse sind in der ganzen Ausdehnung des geschil- 
derten Chorioideadefektes nicht nachweisbar. Die Netzhautgefasse 
ziehen unbehindert iiber dieselben hinweg. 

Der Sehnerv vertical oval, scharf gerandert, bietet mit seinen 
Gefassen keine besondere Anomalie. Hach oben innen vom Seh¬ 
nerv erscheint der sonst blonde, chagrinierte Hintergrund in einem 
zwischen den oberen inneren Netzhautgefassen liegenden Zwickel 
hellgelblichrot, wahrscheinlich in Folge Rarefication des Pigment- 
epithels durch die friihere Netzhautblutung. 


M. K., 37 years old, laundress; no previons eye-trouble. On 
the night of July 7, 92 she struck her left eye with all her force 
aganist the edge of a door standing open. 

Violent pain and a considerable diminution in the sight of 
the injured eye caused patient to seek medical advice on July 12. 

A large, recent subretinal hemorrhage was found between 
the papilla and the macula lutea, also a retinal hemorrhage above 
and internal to the papilla. After rapid absorption of the hemor¬ 
rhages, a picture developed which has practically remained 
stationary. 

The functional examination and the ophthalmoscopic picture 
are of the year 1893. 

Right eye: E. V. = Vi Jag. 1 in 20 cm. 

Left eye: E. V. = ^hs Jag. 3 in 20 cm with difficulty. 

The field shows no defect. 

The most characteristic ophthalmoscopic symptom is a broad, 
white, partly-pigmented crescentic figure with drawn-out, pointed 
ends, between the temporal border of the papilla and the macula. 
This figure is situated concentrically to the upper, outer and lower 
papillary border and presents through out the greater part of its 


extent about the same breadth (Vs papilla-diameter). Its outline 
is sharp and shining-white; the long pointed branches, however, 
appear yellowish-red and differ less from the surrounding back grand. 
At the junction of the upper end of the white crescent with its 
branches, there is a large deposit of black pigment which sends 
out several radiating pigmentary threads. The lower two-thirds 
of the white crescent are also rich in pigment, in places covering 
its entire breadth, in others leaving some white spaces free. Its 
whole inner margin is formed by a black streak of pigment. A 
light yellowish-red border runs along the greater part of the inner 
margin of the crescent, while the outer and inner margins of its 
upper extension have a grayish-red border. 

No choroidal vessels are to be seen throughout the entire 
extent of the above-described choroidal defect, over which the 
retinal vessels continue in their natural course. 

The papilla is vertically oval, sharply outlined and the vessels 
present no anomaly. The fundus is pale yellow and shagreened. 
Above and internal to the disc, however, there is an area lying 
between the upper and inner retinal vessels which appears light 
yellowish-red, presumably due to the rarefication of the pigment 
epithelium after the previous retinal hemorrhage. 













d. Tai.m 


, Oeller, OphUtalmoslcopischer Atlas. 



J. Odlffr,pinK. 


Kuptura clioTioideae, 

















D. 


Erkrankungen der Aderhaut. 
Diseases of the choroid. 


Tab. XX. 


DIALYSIS ET RUPTURA CHORIOIDEAE. 




D. Tab. XX. 

Dialysis et Ruptura chorioideae oculi sinistri. 


D. M., 27 Jahre alt, Taglohnerin, eiTitt am 19. XL 94 einen 
schweren Unfall, indem ihr ein grosses Stlick eines Ziegelsteines 
aus der Hohe des dritten Stockwerkes eines Neukaues auf das 
linke Auge fiel. 

Bei ihrer Vorstellung am 22. XL 94 bestand bei einer ziem- 
lich betrachtlichen Schwellung des Unterlides eine ca. 1 cm lange 
Hautwunde vom ausseren Lidwinkel langs des untern Orbitalrandes, 
dessen Periost ebenfalls verletzt war; mehrere kleine Ziegelstein- 
partikelchen wurden bei der Untersuchung noch aus der Wunde 
entfernt. Ferner bestand heftige Injection der Conjunctiva bulbi, 
geringer Hamophthalmus int., enge Pupille; das Sehvermogen war 
bis auf Lichtempfindung erloschen. Die Spiegeluntersuchung ergab 
heftige Papillitis und einen uber papillenbreiten, graublauen Hof 
am temporalen Sehnervenrande (grosse chorioideale Blutung). Die 
Periostitis dauerte unter enormer Schmerzhaftigkeit fast Jahr. 
Das Spiegelbild ging aber relativ rasch wesentliche Veranderungen 
ein, so dass Ende Januar 1895 im grossen Ganzen schon dieselben 
ophthalmoskopischen Veranderungen konstatiert werden konnten, 
die die ophthalmoskopische Untersuchung Ende 1895 aufwies, aus 
welcher Zeit das dargestellte Spiegelbild stammt. 

Rechtes Auge: S ®/7; mit + 2.0 D Nd 1. 

Linkes Auge: Handbewegung in ^/2 M. 

Medien rein. 

Sehnerv vertikal oval; in seiner ganzen Ausdehnung diffus 
rosarot mit nur unbestimmt angedeuteter Gefasspforte; temporaler 
wie nasaler Rand von einem schwarzen Pigmentsaum umgeben. 
Die Gefasse bieten keine besondere Anomalie. 

Durch einen ganz schmalen, rotliclien Saum vom temporalen 
Sehnervenrande getrennt verlault konzentrisch zur ausseren Opticus- 
contour eine griinlichweisse Sichel, die noch die Mitte der oberen 
und die untere und untere aussere Papillengrenze umgreift. Die 
Enden der Sichel sind teils am Rande, teils in ihrer ganzen Breite 
schwarz pigmentiert. Das Pigment schiekt da und dort kleine 
Auslaufer ab; die Sichel selbst weist viel weniger Pigment auf. 
Ihre Rander sind nnr eine kurze Strecke weit von diinnen Pigment- 


faden eingesaumt, teils liegen einzelne zierliche, verastelte Pigment- 
formen der Sichel anf. papillenbreit von ihr verlauft ein etwas 
schmalerer, zu beiden Seiten leicht eingekerbter, weisser Streifen 
von derselben Hohe, dessen unteres Ende mit der beschriebenen 
Sichel im Zusammenhang steht. Gerade an dieser Stelle ist ziem- 
lich viel Pigment in kurzen Streifen koncentrisch zum unteren, 
ausseren Papillenrand angehauft. 

Die obere Halfte des inneren Randes ist da und dort schwarz 
gesaumt, wahrend der Mitte der unteren Halfte ein langer Pig- 
mentfaden aufliegt. Zwischen diesem weissen Streifen und der 
grunlichweissen Sichel erscheint der Hintergrund graurotlich und 
tragt einzelne Pigmentfaden. 

Das obere Ende dieses Streifens geht in einen hellen gelb- 
lichroten, keilformigen Fortsatz aus. Ein ziemlich breiter, ebenfalls 
hellgelbroter Hof setzt sich langs des ausseren Randes dieses 
Streifens bis zum Ubergang desselben in die griinlichweise Sichel fort. 

Die Netzhautgefasse ziehen unbehindert iiber die beschriebenen 
Veranderungen hinweg. 

Weit ere Veranderungen bietet der Hintergrund ca. 2 bis 2^/2 
papillenbreit nach oben aussen und unten aussen von der mutmass- 
lichen Stelle der Macula lutea, die ophthalmoscopisch also solche 
nicht charakterisiert werden kann. 

Nach unten aussen streichen gerade im Verbreitungsbezirke 
der Arteria und Vena temp. inf. 2 schmale, hellgelblichrote, vom 
Braunrot des umgebenden Hintergrundes sehr deutlich sich ab- 
hebende uber und nebeneinander stehende, sichelformige, grauschwarz 
geranderte Streifen mit ihrer Convexitat nach dem Sehnerv zu 
gerichtet. 

.Ein dritter, solcher, gelbroter Streifen steht senkrecht nach 
oben einwarts von diesen und giebt vom ausseren Rande seiner 
oberen, leicht nach rechts gewendeten Halfte zwei parallel zu 
einander nach oben ziehende Fortsatze ab, gleichfalls grauschwarz 
eingesaumt. Zwei kleine kurze horizontal streichende Sprossen 
zweigen von dessen unterer Halfte ab. (Offenbar unvollkommene, 
nur die innersten Lamellen der Aderhaut betreffende Risse.) 


D. M., 27 years old, workingwoman, on Nov. 19, 94 was hit 
on the left eye by a large piece of brick falling down from the 
third story of a new building. 

On Nov. 22, 94, the day of her first visit, beside a con¬ 
siderably swollen lower lid there was a wound of the skin exten¬ 
ding from the outer canthus along the lower orbital margin and 
involving the periosteum. During the examination several small 
particles of stone were removed from the wound. In addition, the 
conjunctiva bulbi was inflamed, a slight haemophthalmus int., con¬ 
tracted pupil; sight was reduced to perception of light. The 
ophthalmoscopic examination showed a violent papillitis and a 
grayish-blue area broader than the disc, at the temporal discal 
margin (large choroidal hemorrhage). The periostitis existed with 
severe pain for 3 months. The ophthalmoscopic image rapidly 
underwent decided changes and already by the end of January 95, 
the same alterations in general were to be seen as at the end of 
the year 95. The accompaning picture belongs to the latter period. 

Right eye: V = ®/7 with + 2 D. Nd. 1. 

Left eye: Movement of the hand in ^2 m. 

Media clear. 

The papilla is vertically oval; everywhere of a pink color, 
the vessel-entrance is indistinct. Both the temporal and the nasal 
margins are surrounded by a black pigmentary border. The vessels 
present no anomaly. 

A greenish-white crescent runs concentric to the outer discal 
margin from which it is separated by a very narrow reddish seam ; 
it touches the middle of the upper, the lower and the lower-outer 
border of the papilla. The extremities of the crescent are pigmented 
at their edges or over their entire surface. The pigment shows 
here and there slight prolongations. The main part of the crescent 
is less pigmented. Its borders are only for a short distance ontlined 
by thin threads of pigment; in addition minute, branching accu¬ 


mulations of pigment lie directly on the crescent. V 2 papilla- 
diameter distant there is a rather narrow white streak of about 
the same length and with slightly notched borders. Its lower end 
is in contact with the crescent jnst-described; exactly at this place 
considerable pigment is accumulated in short streaks, arranged con¬ 
centrically to the lower-outer discal margin. 

The upper half of the inner border of this white streak is 
here and there outlined in black; a long thread of pigment is 
deposited on the middle of the lower half. Between this white 
streak and the greenish-white crescent the fundus appears grayish- 
red and is covered by a few pigmented threads. 

The upper end of this streak is prolonged to a light yellowish- 
red, wedge-shaped process. A rather broad area of a similar yel¬ 
lowish-red is situated along the outer border of this streak and 
extends to the greenish-white crescent below. The retinal vessels 
pass unhindered over these alterations. 

Further changes in the fundus can be seen about 2— 2^/2 pa¬ 
pilla-diameters above externally and below externally of the pre¬ 
sumable position of the macula lutea. In this case the position 
of the macula cannot be determined with the ophthalmoscope. 

Below and externally, just in the area of distribution of the 
inf. temp. art. and vein, 2 narrow, crescentic, light yellowish-streaks 
are situated with their concavity in the direction of the disc. They 
are sharply ontlined against the brownish-red of the surrounding 
fundus, lie over and next to one another and have grayish-black 
borders. 

A third, similar, yellowish-red streak lies vertically above and 
internal to these two and gives off two parallel branches from the 
outer margin of its upper half which is slightly inclined to the 
right. The branches are directed upwards and also have grayish- 
black borders. The lower half of this streak gives off two short 
horizontal projections. (Probably incomplete tears involving only 
the inner layers of the choroid.) 










Oellfir, OphtJialmoslcopiscIier Adas. 


D. TahH. 



Dialysis et niptuFa cKorioideae. 




Xi^-ic..J>ru/ik,d~ k^T/TVi?/e7\s-Drzi 












E. 


Angeborne Anomalien. 
Congenital Anomalies. 


Tab. II. 


COLOBOMA CHORIOIDEAE. 


E. Tab. II. 

Coloboma Chorioideae oculi dextri. 


Gr. M., 79 Jahre alt, Taglohnerswitwe, von vollkommen gesunden, 
nicht kurzsichtigen Eltern stammend, war schon seit fruhester 
Jugend kurzsichtig und etwas schwachsichtig; jedoch hielt sich 
das Sehvermogen stets auf gleicher Stufe, bis vor 4 Jahren lang- 
sam eine merkliche Abnahme der Sehkraft beider Augen sich ein- 
stellte. Ihre 3 Kinder besitzen vollkommen normals Augen. 

Funktionelle Priifung und Sniegelbild stammen aus dem 
Jahre 1895. 

Kechtes Auge: M 3 D. S ®/i5 Jag. 5 auf 20 cm. 

Linkes Auge: M. 4 D. S “/is Jag. 3 auf 20 cm. 

Spiegelbild auf beiden Augen gleich. 

Rechtes Auge: Kleiner rundlicher Hornhautfleck in der Nahe 
der Mitte der oberen Hornhautgrenze; einzelne Speichen in der 
vorderen und hinteren unteren Oorticalis. 

Das augenfalligste ophthalmoskopische Symptom ist eine grosse, 
ca. l“/4 Papillenbreiten in vertikaler und ca. 2 Papillenbreiten in 
horizontaler Ausdehnung messende, gebliche weisse Plache, die an 
den unteren Rand des Sehnervs sich ansetzt, mit einem schmalen 
Streifen aber auch noch die nasale und temporale Sehnervengrenze 
umgiebt. Ihre Figur erinnert an ein leicht diagonal von oben innen 
nach unten aussen gestelltes Wappenschild mit einer kurzen raphe- 
artigen Spitze nach unten. Sie ist in grosser Ausdehnung braun- 
rot eingesaumt; nur an einer Stelle ist langs des Saumes schwarzes 
Pigment eingestreut. Vom Sehnerv ist nur die obere Halfte zu 
sehen. Sie stellt ein halbiertes horizontales Oval dar von rot- 
licher Farbe und unbestimmt contouriert; nur die nasale Grenze 
umsaumt ein schwarzer Pigmentstreifen; der untere Rand ist durch 
den Austritt und Verlauf der Netzhautgefasse begrenzt. Unterhalb 
des Sehnervs besteht eine seichte ca. 2 D. tiefe Grube, die sich 
noch etwas temporalwarts hin fortsetzt, um durch einzelne, das 


Licht etwas starker reflectierende, horizontallaufende Treppenab- 
satze zur Ebene der grossen weissen Flache aufzusteigen. 

Die untere Halfte der weissen Flache bietet eine zierliche 
Zeichnung, einem Gitterwerke mit engen unregelmassigen Maschen 
. ahnlich. Die schmalen, scheinbar vorspringenden Leistchen sind 
gelblich weiss, die Maschenraume hellgeblich grau. Vom weissen 
Entergrnnde heben sich die Netzhautgefasse ohne Reflexstreifen 
scharf gezeichnet ab. Die Vena temporalis inf. von ihrem Ur- 
sprunge an etwas unbestimmt zu sehen, beschreibt, entsprechend 
den Yorspriingen in der weissen Flache ein scharf gebogenes Knie. 
Etwas oberhalb der Mitte des unteren Colobomrandes neben dem 
nach unten ziehenden arteriellen Hauptstamme entspringt ohne Zu- 
sammenhang mit den iibrigen Netzhautgefassen ein kleines Gefass, 
unbestimmt ob Arterie oder Vene, das uber den unteren Rand der 
weissen Flache nach unten innen in der Netzhaut verlanft, gerade 
am Ursprunge aber nach aufwarts 2 ganz feine Reiserchen abgiebt 
(offenbar cilioretinale Gefasse). 

Die Farbe des Augenhintergrundes ist hellblond. Gerade 
unterhalb des beschriebenen Defektes in der Aderhaut ist eine grosse 
Zahl kleiner, rundlicher, weisslicher Knotchen anzutreffen: offen¬ 
bar Drusen in der Glaslamelle der Chorioidea. 

Weiteren pathologischen Veranderungen begegnet man in der 
macularen Gegend und nach unten aussen von dieser. Die Farbung 
des Hintergrundes wird an diesen Stellen gesattigt rot. Yon 
diesem Untergrnnde heben sich zwei weissgelbliche Herde ab: 
der obere maculare, annaherend dreieckig mit der Basis des Drei- 
ecks nach oben; der untere langere, etwas gewunden verlaufende 
treibt an seinem oberen Ende einzelne kurze Auslaufer, ist an 
seinem unteren Ende graubraun gesprenkelt und zeigt einzelne 
chorioideale Gefasse. Tiefbraunrotes Pigment ist namentlich an 
der nasalen Seite dieses Herdes angehauft. 


G. M., 79 years old, widow of day-laborer. Parents perfectly 
healthy and not short-sighted. Since earliest youth she has been short 
sighted and somewhat amblyopic; her vision however remained con¬ 
stant until 4 years ago when slowly a decided diminution in the 
sight of both eyes set in. The eyes of her 3 children are normal. 

The functional examination and the ophthalmoscopic image 
date from the year 1895. 

Right eye: M. 3 D. V. = “/is, Jag. 5 in 20 cm. 

Left eye: M. 4 D. Y. = “/is Jag. 3 in 20 cm. 

The ophthalmoscopic images of both eyes are similar. 

Right eye: Small, round macula near the middle of the upper 
corneal margin; several spokes in anterior and posterior lower 
corticales. 

The most striking ophthalmoscopic symptom is a large yello¬ 
wish-white area contiguous to the lower margin of the disc, and 
with narrow prolongations along the nasal and temporal margins. 
It measures Vji papilla-diameters vertically and about 2 papilla- 
diameters horizontally. This area ressembles an escutcheon, placed 
obliquely from above-inward to below-outward and with a short 
raphe-like end directed downward. It is almost completely sur¬ 
rounded by a narrow brownish-red border, at one place only some 
pigment is to be seen in the margin. Only the upper half of 
the papilla is visible; it appears as a bisected horizontal oval, 
red in color and indistinctly outlined. There is a streak of black 
pigment along its nasal border and the lower margin is limited by 
the origin and course of the retinal vessels. A shallow groove of 
about 2 D. in depth is situated below the disc. It is prolonged 
somewhat in a temporal direction, and ascends on several hori¬ 


zontal and somewhat brighter steps to the level of the large 
white area. 

The lower half of the latter shows a delicate delineation, like 
a lattice-work with narrow, irregular meshes. The narrow appa¬ 
rently protruding ridges are yellowish-white; the meshes-are light 
yellowish-gray. The retinal vessels show no reflection and are in 
contrast to the white background. The infero-temporal vein is at 
its origin somewhat difficult to see and makes a sharp turn cor¬ 
responding to the projection of the white area. Somewhat above 
the middle of the lower margin of the coloboma and close to the 
main arterial trunk running downwards, arises a small vessel which 
may be an artery or a vein. It does not communicate with any 
other retinal vessel and proceeds over the lower margin of the 
white area and then in a downward and inward direction in the 
retina. Just at its origin it gives off two delicate ascending twigs 
(presumably cilio-retinal vessels). 

The color of the fundus is light blonde. Below this defect in 
the choroid, there are a great number of small, round, whitish 
dots; probably colloid degenerations of the choroidal basal membrane. 

Other pathological changes are met with in the macular region 
and farther down and outward. In these places the fundus has a 
deep red color. Two whitish-yellow patches are conspicuous; the 
upper, roughly triangular in shape with the base above; the lower, 
drawn out and twisted with several short branches at its upper 
end, while the lower end presents a grayish-brown, speckled ap¬ 
pearance and shows several choroidal vessels. There is an accu¬ 
mulation of deep brownish-red pigment, on the nasal side of this 
area (choroiditis centralis). 













Ocller, Ophthalmos'kopischer Atlas. 


I. Tain 



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